Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1860-01-01 · 11-12 (1860) · page 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
16 (1860)
Issue
11-12 (1860)
Date
1860-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554702-2554708--03409-2559307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

190 Harems, welcher den Stempel der Armuth und deö Elends an sich trug, und beim Betrachten der blassen und elenden Gesichter dieser unglücklichen Töchter Israels empfand, und die schauerliche Verderbniß und schändliche Wollust, zu dem sich das einst edle Israel erniedrigt hat, zu beschreiben, ist meine Feder gradezu unfähig. Es war mir, als ob ich das Haus, ohne ein Wort zu sagen, sogleich wieder verlassen und gleich Jonas an einen verborgenen Ort fliehen müßte. Ich dachte mit dem Propheten (Jeremias k, 10): „Ach mit wem soll ich doch reden und zeugen? daß doch Jemand hören wollte! Aber ihre Ohren sind unbeschnitten, sie mögen nicht hören. Sie halten des Herrn Wort für einen Spott und wollen seiner nicht." Jesus kam iu die Welt Sünder selig zu machen. „Besuchen sie die Synagoge?" fragte ich endlich. „Es giebt keine in Grara" war die Antwort. „Aber sie beten zu Hause?" „Wir können nicht lesen," antworteten sie einstimmig. „Sie wissen, daß ein Gott im Himmel ist, der sie und mich und die ganze Welt erschaffen hat, nicht wahr?" Sie sahen einander an und lachten. „Es ist nichts und Niemand hier, worüber zu lachen wäre, sagte ich. Die ganze Schöpfung, die himmlische und irdische, Sonne und Mond, Feuer und Schnee, Berge und Wälder, wilde und zahme Thiere, Gewürm und Gevögel, kurz alles, was Odem hat, lobet den Herrn, und ihr vernünftigen Wesen, ja Nachkommen des auserwählten, des heiligen Volks, wisset nicht, wie man beten soll, und betet nicht zu euerm Gott! Ihr habt viel mehr Ursache zum Weinen, das kann ich euch versichern, wenn ihr, eure Kleidung und Turbane, eure Ohrringe und Armbänder einen Augenblick vergessend, bedenkt, daß ihr wegen der Sünden <urer Väter aus dem heiligen Lande vertrieben und in die Wüste unter Fremde verstoßen worden seid, welche eure Religion verachten, euch hassen und verfolgen, und das wegen eurer eigenen Untugenden, die euch und euern Gott von einander scheiden, und wegen eurer Sünden, die sein Angesicht vor euch verbergen, daß er nicht hören will. Eure beklagenSwerthe irdische Lage, der Umstand, daß ihr von euern eigenen Eltern an ein MÜgeschöpf, gleich einem „Sepan" (Reger) verkauft werdet, indem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.