Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 11-12 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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181 um Erlaubniß zu fragen, auf die Erde, worauf er das Schweigen brach und sagte: „Marhaba bek Roumi," möge dein Tag gesegnet sein; was ist dein Begehren? „Ich bin kein Roumi, sondern Englis"; dies ist der Name für Protestanten. Auf sein Befragen setzte ich ihm den Unterschied zwischen den drei großen Klaffen in der christlichen Kirche auseinander. Er wußte von den Griechen und römischen Katholiken, hatte aber nie vom Protestantismus gehört, der sein lebendiges Interesse erregte. „Was denkest du von Christo und seiner Religion?" fragte ich. „Was denkest du von Muhamed und seinem Glauben?" war seine Antwort. Ohne den Charakter seines Propheten und seines Glaubens zu berühren, belehrte ich ihn, daß Jesus von Mose und den Propheten des alten Testamentes verheißen worden sei, setzte ihm die Reinheit der christlichen Wahrheiten auseinander, welche, wenn wir selbst weiter nichts hätten und wüßten, ein deutliches Kennzeichen von der Göttlichkeit ihres Urhebers wären, den zu erkennen und an ihn zu glauben, das Mittel sei, vom geistigen Tode erlöst und der ewigen Seligkeit theilhaftig zu werden. Ich führte einige Lehren des neuen Testaments an und er hörte aufmerksam zu. Als ich etwa eine halbe Stunde gesprochen hatte, unterbrach er mich, und ich vermuthete, er wolle nun seinerseits die Sache des falschen Propheten vertheidigen und seine Lehre erheben. Statt dessen berührte er ohne allen Zweck Weissagungen und Ueberlieferungen, mischte Begebenheiten der Vergangenheit und vage Vorstellungen von der Zukunft bunt durch einander, verband örtliche Legenden auf widersinnige Weise mit biblischen Weissagungen von Gog und Magog, dem Antichrist und der Herrschaft Christi; dann würde er in Mekka sterben und die Welt ein Ende nehmen. Unter andern abergläubischen Meinungen und fanatischen Legenden erzählte er mir auch — und diese Meinung ist weit verbreitet in der Sahara — daß es unterirdische Flüsse gäbe, an deren Ufern die ursprünglichen Christen — die Ureinwohner von Nord-Afrika — in prächtigen Häusern wohnen, angethan mit übernatürlicher Kraft,