Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 11-12 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554702-2554708--03387-2559285- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
168 G - der ersten Beilage zu Nr. 411 der Schles. Zeitung vom 2. September 186V ist unter der Bezeichnung: „Aus dem Kreise Beuchen. sEin Bekehrungsversuch.j" folgendes mitgetheilt: Großes Aufsehen erregte in Beuthen in letzter Woche folgendes Ereigniß. Zwei Knaben im Älter von 14 — 15 Jahren, mosaischen Glaubens, der eine ' Maler, der andere Buchhändlerlehrling, waren plötzlich verschwunden und die Bestürzung der Eltern und Lehrherrn war nicht gering. Bald brachte man in Erfahrung, daß der auf seiner Durchreise zur Zeit in Beuthen verweilende Missionar Jakobsohn mit diesen Knaben viel verkehrt hatte, und wurde dadurch unwillkührlich an die Mortara-Angelegenheit erinnert. Eine nähere Untersuchung ergab, daß I. die Knaben auf eigenem Wagen nach Tarnowitz gebracht und mit Mitteln und Empfehlungen nach Berlin versehen hatte. Eine telegraphische Anfrage bei der Berliner Polizei-Behörde konnte die Angehörigen der Knaben zwar noch nicht beruhigen, es wurde aber von dort aus versichert, die nöthigen Anstalten zum Empfange der Knaben zu treffen und für ihre Zurückbeförderung in die Heimath zu sorgen. Der Vater des einen eilte nach Tarnowitz, erfuhr jedoch bald mittelst des Telegraphen, daß die Kinder bereits in Brieg angehalten worden seien. Von da aus wurden sie auch den Eltern resp. Lehrherrn wieder zurückgeführt. Der Missionar bezahlte die hierdurch entstandenen Kosten zum großen Theil. Wir würden uns nicht wundern, wenn diese' Erzählung namentlich von jüdischen Zeitschriften ausgebeutet würde. Wir fühlen uns daher veranlaßt, einige Worte über diesen sogenannten „Bekehrungsversuch" zu sagen. Der Verfasser der Mittheilung hat die Thatsachen, ob mit oder ohne Absicht lassen wir dahin gestellt, nicht nach dem einfachen Bestände der Wahrheit dargestellt. Zunächst dürften die „zwei Knaben" oder „Kinder" wohl etwas älter als 14 —15 Jahre sein. Der Missionar I. war bei seinem Aufenthalte in Beuthen nur mit Einem derselben zusammen gekommen, indem dieser „Knabe" den Missionar aufsuchte. Bet dieser Gelegenheit deutete jener auf eine Neigung zum Christwerden hin, Herr I. aber ermahnte ihn, in der Lage zu bleiben, in welcher er sich befand. Den andern jungen Mann sah Herr I. in Beuthen gar nicht. Von