Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 7-8 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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125 Thränen aus seinen Augen rannen. Man kann zweifeln, daß er ein so vollkommen ruinirter Mann ist, wie er sich darstellt; aber man kann nicht zweifeln, daß er viel gelitten und viel verloren hat, denn ich besuchte seine Wohnung, welche in einem Zustande war, wie sie nur von Hunnen und Pandalen gelassen werden konnte. Es ist augenscheinlich ein gut ausmöblirtes und bequemes Haus gewesen. Wie es gewöhnlich an Orten, wo die verfolgten Juden sich wenig sicher fühlen, bei ihren Wohnungen der Fall ist, hatte das Aeußere nur wenig Anziehungskraft. Der Eingang war gemein und eng, aber war man einmal darin, so sah man deutlich, daß Bequemlichkeit und selbst Lurus dagcwesen war. Es bedurfte jedoch einiger Untersuchung, um sich zu überzeugen, was es gewesen war; denn ich konnte das Haus beim ersten Anblick mit nichts Andern vergleichen, als mit dem, was man in England eine Rumpelkammer nennt, in welche die Bedienten allerlei Ausschuß und Abfall werfen. Alle Möbeln, Spiegel, Wirthschaftsgeräthe, Porzellan und Gläser, kurz Alles im Hause, war nicht nur zerbrochen, sondern zu kleinen Stücken zerschlagen. Die Mauren sind in der That betriebsame Räuber, sie müssen sich viele Mühe gegeben haben, eine so vollständige Zerstörung zu vollbringen. Wahrlich, kein Pariser Lumpensammler würde zwanzig Schillinge für den Inhalt des ganzen Hauses gegeben haben. In einer Stube, welche die am besten ausmöblirte gewesen zu sein schien, waren mehrere Lampen und Glas-Armleuchter, welche an der Decke gehangen hatten, herunter gerissen und zerstört. Ein elender Ladentisch und zwei oder drei erbärmliche Stühle schienen geborgt zu sein, nachdem die schreckliche Roth vorüber war. Auf einem der Stühle saß die Hausfrau, eine hübsche Jüdin, welche ihr achtes vor wenigen Tagen geborneö Kind säugte, während die sieben andern um sie herumstanden. Sie sah ergeben und sogar beherzt aus, und lächelte dem Fremden, welchen ihr Mann ihr vorstellte, freundlich zu. Zwei oder drei Nachbarn und mehrere Kinder, in deren Häusern man vielleicht noch übler gewirthschaftet hatte, als in dem, das wir besuchten, standen umher, oder saßen auf dem Boden mit niedergeschlagenem Blicke und jammernden Stimmen. Der Hausherr führte uns eine enge Treppe hinauf, welche auf das' platte