Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 5-6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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94 in manchen seiner Hoffnungen getäuscht zu sehen, so ist dies viel mehr der Fall bei dem Missionar. Sein tägliches Gebet muß sein: Herr, in deinem Namen fange ich dein Werk wieder an. Zu diesen Bemerkungen veranlaßte mich Folgendes: Zm Jahr 1851 bat eine jüdische Familie, bestehend aus Vater, Mutter und vier Kindern, um Religionsunterricht. Ich hatte sie in .... kennen gesernt, wo sie wohnten. Als ich dort die Juden besuchte, hatten auch sie das Evangelium gehört. Vater und Mutter schienen es aufrichtig zu meinen; aber nachdem ich den Unterricht ohngefähr sechs Wochen mit ihnen fortgesetzt hatte, fand ich zu meiner Betrübniß, daß keine Spur eines wegen der Sünde zerknirschten Herzens an ihnen wahrzunehmen war, obgleich sie in der Erkenntniß des Heils gute Fortschritte machten. Ich ermahnte sie liebevoll und ernstlich, als arme Sünder zu Christo zu kommen; sie aber blieben reiche Sünder; ja sie wurden täglich reicher in sich selbst. Endlich sah ich mich genöthigt, sie zu ermahnen, aufrichtig gegen sich selbst zu sein; ich hielt ihnen den Geist des Gesetzes vor und schied mit den Worten von ihnen: „Mich können Sie täuschen, aber nicht den allwissenden Gott! Er ist ein heiliger und gerechter Gott, und schrecklich ist es, in dje Hände des lebendigen Gottes zu fallen." Den folgenden Tag war meine jüdische Familie nach .... zurückgegangen und hatte sich wieder an die Juden angeschloffen. Aber nicht lange darauf war H.., dies ist der Name des Mannes, krank geworden und gestorben. Seine Frau, ebenso unbußfertig, wie ihr Mann, wurde ebenfalls krank und starb. — Die vier Waisenkinder, von denen das älteste elf Jahre alt war, wurden in ein jüdisches Waisenhaus gethan. Durch die wunderbare Fügung des Herrn begegnete ich vor einigen Wochen dem ältesten dieser Waisenkinder, einem Mädchen von 18 oder 19 Jahren, und im Gespräch mit ihr entdeckte ich, daß der vor so vielen Jahren ausgestreute Saame in ihrem jungen Herzen Wurzel gefaßt hatte. Sie erzählte, es wäre ihr höchst schmerzlich, daß ihre Eltern nicht bei mir geblieben wären; daß sie seit jener Zeit Christum liebe und unter den Juden nicht mit gutem Gewissen bleiben könne.