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Dibre Emeth · 1860-01-01 · 5-6 (1860) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
16 (1860)
Issue
5-6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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84 und Uebertretung des göttlichen Gesetzes duldeten oder sich erlaubten, so wenig das Auge das kleinste Stäublein in sich duldet und verträgt. Einer strengen Gewissenhaftigkeit rühmt sich die allgemeine Zeitung des Judenthums — ihr Redakteur nannte sich erst kürzlich „den gewissenhaften Mann" — wie schon ihr Titel anzeigt, da sie sich „ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse" nennt. Denn ohne strenge Gewissenhaftigkeit kann man wohl auch nicht unparteiisch sein; wer dies sein will, muß ein enges Gewissen haben. Zu Zeiten und bei besondernGelegenheiten zeigt nun das genannteBlatt allerdings ein sehr enges Gewissen; zu anderer Zeit und bei anderer Gelegenheit, mitunter und sehr häufig auch in derselben Zeit und bei derselben Gelegenheit findet sich Beides, nämlich ein enges und weites Gewissen, beisammen. Beweise einer solchen doppelten oder charakteristischen Gewissenhaftigkeit bietet die genannte Judenzeitung in großer Auswahl dar. Wir brauchen nur an die sogenannte Kamez- Kreuzfrage zu erinnern, die auch in diesen Blättern besprochen ist, da die allg. Z. d. I. von vielen Seiten her ein so gewaltiges Zetergeschrei erhob, daß die Christen „tendentiös verfälschte" Bibeln verbreiteten. Man könnte gewiß eine so sorgfältige Wachsamkeit über die ungetrübte Reinheit des hebr. Textes nicht genug lobend anerkennen, wenn sie aus der strengen Gewissenhaftigkeit und dem aufrichtigen ehrlichen Eifer hervorginge, das Wort Gottes von aller und jeder auch noch so kleinlichen Verfälschung, selbst von jedem geringen Druckfehler, rein und unversehrt zu erhalten. Aber wo bleibt denn diese skrupulöse, strenge Gewissenhaftigkeit, die man für die Ehre und die Reinheit des Wortes Gottes vorgiebt, wenn in unzähligen Aufsätzen und Artikeln derselben Zeit, eine unbestreitbar „tendentiöse Verfälschung" der h. Schrift sich breit macht, indem man ein Jahr nach dem andern nicht müde wird zu predigen und zu schreiben, Moses lehre in dem von Gott empfangenen Gesetze: Einerlei Recht soll für alle Menschen sein, während dieses göttliche Gesetz doch nur sagt: Einerlei Recht soll für die Gemeine Israel, für die, welche zum israelitischen Religionsverbande gehören, sein? Das aber eben ist die charakteristische Gewissenhaftigkeit Herrn vr. PH's. und seiner Z.d.J., daß er einen einfachen Druckfehler bei Andern zu einer riesenhaften Gott-

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