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Dibre Emeth · 1860-01-01 · 5-6 (1860) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
16 (1860)
Issue
5-6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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83 So auch das Gewissen. „Dem, der seine Handlungen mit möglichster Sorgfalt und Genauigkeit nach ihrem Verhältnisse zu dem Gesetze beurtheilt, und daher strenge gegen sich selbst ist, wird ein enges Gewissen oder Gewissenhaftigkeit, dem hingegen, der es mit dieser Beurtheilung nicht genau nimmt, und Manches, was das Gesetz verbietet, leichtsinnig sich erlaubt, wird ein weites Gewissen zugeschrieben." Engherzigkeit, enges Gewissen gehört einer früher« Zeit an, oder ist beschränkt auf einen geringen, verachteten Kreis von Menschen, die eben nicht mit-der Zeit fortgeschritten sind, sondern immer auf demselben engen und beengten Standpunkte stehen bleiben, während es als eine Errungenschaft der Gebildeten, der Männer des Fortschrittes, der Wissenschaft angesehen wird, auch weite Herzen und ein weites Gewissen zu haben. Diese Weitherzigkeit und dieses weite Gewissen sehen wir besonders bei den heutigen Lichtfreunden, Freigemeinden und in dem Reformjudenthum. Die Bande, die das Christenthum auf Grund der heil. Schrift den Bekennern desselben anlegt, werden als zu eng von den erweiterten Herzen und Gewissen gesprengt; und ebenso haben die Reformbestrebungen unter den Juden die alten Bande und Seile des alten Testaments und des Talmuds so ziemlich abgeschüttelt und man schüttelt immer mehr ab, ringt immer fort und fort nach mehr Freiheit und Emancipation und bekennt, nicht ruhen zu wollen, bis dieselbe vollständig erkämpft ist. Daß Judenthum, Christenthum, Heidenthum und Muhamedanismus verschiedene, weit auseinander gehende oder gar einander entgegengesetzte Religionen seien, das können nur Leute von engem Gewissen sagen, das sind nur engherzige Ansichten; ein weitesHerz, ein weites Gewissen sieht darin nur neben einander bestehende, gleiche und gleichberechtigte, von einer und derselben Quelle ausgehende und zu einem und demselben Ziele hinführende „Confessionen", die alle einen und denselben gemeinschaftlichen Grund haben, nämlich den Gedanken: es gibt einen Gott. — Daneben nimmt es sich nun ganz eigenthümlich aus, wenn Personen mit solchen weiten Herzen und weiten Gewissen mit einem Male wieder bei andern Dingen sich den Schein geben, als wären sie die gewissenhaftesten Leute von der Welt, die es so genau nehmen, daß sie eben so wenig die geringste Abweichung 6*

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