Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 5-6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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V 73 wolle; zum Dritten, daß auch erbarmende Herzen an den Weinberg Israels denken möchten. Die ersten beiden Gebete hat mein HErr in Gnaden erhört — ach daß doch auch mein letzter Wunsch möchte in Erfüllung gehen." Diesen Ausspruch Hochstetters theilte A.H. Franke in einer seiner Lectiones paraenaeticae den höllischen Studirenden mit, und derjenige, welcher die von Franke zu redigircnde Nachschrift gerade dieser Vorlesung zu besorgen hatte, war jener Joh. Hein. Callenberg, welcher 1728 das lustituturn Judaicum , diese erste Juden - Missionsanstalt der europäischen protestantischen Christenheit, gründete. Das Gebetswort Hochstetters war das Saamenkorn, aus dem dieser fruchtreiche Baum erwachsen. Die Missionsschriften, die aus diesem lustituturn Judaicum hervorgingen, voran „das Licht zur Abendzeit" sind bis heute unübertroffen. Wir verdanken sie meistens einem ewig unvergeßlichen Proselyten, der folgendermaßen dem Herrn Jesu gewonnen ward. In Schlesien geboren, befand er sich in der Residenzstadt des Fürsten von Anhalt-Dessau als Bachur, d. i. jüdischer Student auf der dortigen berühmten Jeschibe, d. l. jüd. Talmud-Hochschule. Als er einmal zu einem christlichen Schneider kommt, um sich zu einem Kleide Maaß nehmen zu lassen, betrachtet dieser — ich erzähle mit Worten von Stephanus Schulz in seinen Leitungen des Höchsten — die schöne Bildung des Jünglings und bedauert ihn im Stillen, daß er als ein ungläubiger Jude solle verloren gehen, fängt sogar darüber zu weinen an. Der junge Jude fragt ihn, warum er so weine. Als ihm der Schneider die Ursache gesagt hatte, antwortete er: Ei was geht euch meine Religion an? Macht mir nur mein Kleid, das ist euer Beruf! Darauf der Schneider: Ach mein lieber Bachur, wenn ihr nur einmal unser N. Test, lesen möchtet, so würdet ihr wohl zur Erkenntniß der Wahrheit kommen. Der Jüngling ging fort, ohne sich weiter einzulaffen, aber die Thränen des schlichten ehrlichen Mannes und das Wort vom N. Test, ließen ihm keine Ruhe. Rach einigen Tagen kommt er wieder und läßt sich das N. Test, zeigen; es war aber in deutscher Sprache und Schrift, die konnte er nicht lesen, daher wirst er das Buch auf den Tisch mit den Worten: was soll ich mit so einem Buche anfangen?