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Dibre Emeth · 1860-01-01 · 5-6 (1860) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
16 (1860)
Issue
5-6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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I 73 Der Schneider weint abermals: Ihr seid ja noch jung und könntet wohl noch deutsch lesen lernen. Da geht der Jüngling heimlich zu einem Buchbinder, der sür ein ABC-Buch den hohen Preis von einem halben Thaler forderte. Zurückgeschreckt geht er fort, aber die Thränen des Schneiders begleiten ihn überall. Der Mann, sagt er sich immer und immer wieder, hat doch nichts davon und bittet dich so flehentlich, das Buch zu lesen. Da kaufte er endlich die theure Fibel, lernt unbeachtet des Nachts das Deutsche lesen und holt sich dann von dem Schneider das N. Test., verschließt sich bei Brod und Wasser aus zweimal 84 Stunden, liest es durch und den Brief an die Römer zweimal, gibt dem Besitzer das Buch zurück und thut, als ob ihm gar nichts daran gelegen wäre, meldet sich aber nicht lange darauf in Gotha zur heil. Taufe, in welcher er den Namen Heinrich Christian Immanuel Frommann empfängt, und bezieht, nachdem er das dortige Gymnasium absolvirt, die Universität Halle, wo er, weil die Wahl des Studiums der Theologie ihm erschwert wird, Medicin zu studiren beginnt. Sein innerstes Gemüth aber war ganz erfüllt von stetem Sinnen auf das Hell seiner Brüder nach dem Fleisch. In A. H. Franke und Callenberg fand er gleichgesinnte Seelen. Auf sein Dringen kaufte Callenberg für die 4V Rthkr., welche Freunde Israels in Halle zusammengesteuert hatten, jüdisch-deutsche Typen. Frommann lernte das Setzen. Er schaffte sein Bett in das Zimmer, wo die Typen waren, und fast alle Zeit, die ihm das Studium der Medicin übrig ließ, widmete er dem Satze zunächst des von ihm überarbeiteten bis heute segensreichen Traktats nvh -iw aiy. Als dieses Merkchen in 1500 Exemplaren ausging, wurde Frommanns Begabung und Aufopferung allgemein bewundert; er aber sagte: „Mein Heiland ist für mich in Knechtsgestalt in die Welt gekommen, wogegen der Stand eines Setzers doch königlich ist. Und mein Heiland hat keinen Ort gehabt, sein Haupt niederzulegen, ich aber habe noch viel zu viel Bequemlichkeit gehabt auf meinem Nachtlager in der Stube der Druckerei." Bis zu seinem frühen Tode im 1.1735 stand er Callenberg in treuer Liebe zu Israel an der Seite. Seine Misstonsschristen, an Zahl ungefähr 80, wurden von Schulz und Andern in Europa, Asien und Afrika verbreitet.

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