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Dibre Emeth · 1860-01-01 · 5-6 (1860) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
16 (1860)
Issue
5-6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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71 und der von ihr berathene Staat bis in das IS. Jahrhundert herein, welches noch den Leibzoll fortbestehen gesehn hat, ihre Mission an die Juden durch harten politischen Druck zu erfüllen glaubten. Antonius Margarita in Leipzig und viele Andere hatten es in Schriften, welche die jener Zeit eigne Virtuosität im Schimpfen die Juden vornchmlich fühlen ließen, für rathsam erklärt, „man solle mit den Juden handeln nach Inhalt der Maledeiung im 5. Buch Mos. 28, so werden sie desto eher in sich gehen und die Augen aufthun." Kirche und christlicher Staat hatten dem Henkerhandwerk entsagt, blieben aber Büttel des göttlichen Fluchs. Dürfen wir uns wundern, daß das jüdische Volk ein für den Saamen des Evangeliums so unempfänglicher harter Acker ist? Die Kirche hat selbst ihn in Blut ersäuft und dann mit Steinen überschüttet. Sich selber zur Schande hat sie die Lektion christlicher Milde gegen die Juden von der Aufklärungsperiode sich lesen lassen müssen. Und daß die Mission der Kirche an die Juden endlich aus einer Fluch-Mission eine Segensmission geworden, das ist nicht das Verdienst des Orthodorismus sondern des Pietismus. Dieser Umschwung hat noch lange nicht die ganze Christenheit ergriffen. Aber schon seine Anfänge sind preiswürdig. Was die orthodoristische Eregese deS prophetischen Wortes untergrub, das hat das Gebetsringen eines würtembergischen Geistlichen herbeigeführt. Was die in der deutschen Kirche herrschende Richtung gleichgültig aufnahm, haben die Thränen eines Schneiders mächtig gefördert. Und was in England in schon erweckter Zeit Menschen unmöglich war, das ist den Bäumen eines Parkes gelungen, mit dem es eine eigne Bewandtniß hat. Auf einer seiner Reisen besuchte August Hermann Franke, gesegneten Gedächtnisses, den greisen Prälaten Hochstetter in Bebenhausen bei Tübingen, einen der Lehrer Bengels, dessen dieser so oft dankbar gedenkt. „Einen dreifachen Wunsch — sagte Hochstetter zu seinem Gast — habe ich immer meinem Gott in meinem Gebete vorgetragen: erstens, daß doch der HErr eine neue Ausgießung seines Geistes über unsere deutsche Christenheit schicken wolle; zum Andern, daß er Arbeiter in das wette Feld der Heiden senden

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