Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 5-6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 bezüglichen Gedichte gehen alle darauf aus, den Judenhaß zu schüren. Wie man damals das Christenthum gegen die Juden vcrtheidigte, möge folgendes.Gedicht „im getheilten Thon Hans Foltzcn" vergegenwärtigen. Ein Jud mit einem Edelman von dem christlichen Glauben rein zu disputiren finge an. Der Jud sprach zum Edelman fein: Mich wundert, daß ihr Christen habet zum Spott einen neuen Gott, an den ihr glaubt mit Listen. Der Edelman zum Juden sprach: An welchen Gott glaubst du für dich? Der Jud sprach zu ihm bald hernach: An den alten Gott glaub ich. Der Edelman sprach behende: Deß kum zu Steur das höllisch Feur dir an deim letzten Ende. Hätt ihr Juden nicht mit Gewalt gecreuziget unsren Gott, So wär er auch nun wol so alt so wol als euer alter Gott. Den Juden am Hals schlüge, mit Fäusten vol Hn bläuet wol, Bey dem Haar ihn umbzuge. So polemistrte man gegen die Juden mit Fäusten und mit Worten, welche den Gottmenschen des N. Test, nicht minder als den Gott des alt. Test, herabwürdigten. Vergeblich hatte Luther seine Schrift, daß unser Herr Jesus Christus ein geborner Jude sei, mit dem wahrhaft evangelischen Rathschlag geschloffen: „Will man ihnen helfen, so muß man christlicher Liebe Gesetz an ihnen üben und sie freundlich ännehmen, mit lassen werben und arbeiten, damit sie Ursach und Raum gewinnen, bei und um uns zu sein, unsere christliche Lehre und unser Leben zu hören und zu sehen " — der große Reformator selber hatte die Wirkung dieser vom Geiste der Liebe eingegebenen Schrift durch andere im Geiste Elia geschriebene wieder aufgehoben. Vergeblich hatte Luther und besonders Andreas Musculus auf Grund von Röm. 11, 25 die Hoffnung verkündigt, daß das Evangelium, seinen Lauf rückwärts von Westen nach Osten nehmend, dereinst wieder an dem heiligen Gottesberg Sion anlangen und die ausgeriffenen Zweige Israels ihrem Oelbaum wieder einfügen werde — man hat diese Hoffnung später aus Luthers Kirchenpostille hinauScorrigirt und ließ, indem man überall die Heidenkirche an die Stelle Israels setzte, keine prophetische Verheißung für Israel gelten. So kam es denn, daß auch die protestantische Kirche