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Dibre Emeth · 1860-01-01 · 5-6 (1860) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
16 (1860)
Issue
5-6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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«s bei der Marterbühne an. Antonio blieb fest und antwortete dem Könige nicht. Wan riß ihm die Haut von den Fingern und schnitt ihm die Nägel aus. Und als er die Flammen mit einem Tuche abzuwehren versuchte, schrie die Menge: öarbeao, barbeao (barbirt ihn), und der Henker tauchte einen langen Besen in eine Mischung von Pech und Terpentin und setzte den Bart des Unglücklichen in Brand. Der alte Sünder — sagt ein von dieser kirchlichen Entschiedenheit tiefgerührter Augenzeuge — verlor darauf alle Besinnung und war bald nichts mehr als ein Haufen Asche. Die nie sich abnutzenden Losungen, unter welchen in ganz Europa bis in die Levante und besonders in Deutschland immer aufs neue eine wahre Tigerwuth der Menge gegen die Juden entfesselt ward, sind bekannt: man beschuldigte sie, Christenknaben ermordet oder die Hostie entweiht oder Brunnen vergiftet zu haben. Nicht als ob die Juden solche Gerichte, die über sie ergingen, nicht durch Wucher und andere Laster verwirkt hätten — aber die lügnerischen Vorwände der Verfolgungssucht mußten ihnen ihre wirklichen Sünden verhüllen und das Christenthum, welches sie nach den Christen beurtheilten, immer gehässiger machen. Was half es, daß der Prediger einer besseren Theorie als der sinaitischen seine Jünger zur Liebe auch gegen ihre Feinde verpflichtet: Ihr habt gehört, das gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen; ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; thut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen" — was half es, da das Volk, das mit Christi Namen sich brüstete, die Wirkung seines Liebeswortes vereitelte, indem es sich gegen die Juden nicht wie Christen, nicht wie Menschen, sondern wie wilde Bestien geberdete! Unter den Handschriften unserer Universitätsbibliothek ist auch ein sogenanntes schönes Meistergesangbuch, geschrieben in Nürnberg 1617, aus welchem sich beispielsweise nur zu deutlich ersehen läßt, wie wenig das Protestant. Deutschland des 16. Jahrhunderts auch in seinen geistig regsameren Kreisen von specifisch-christlicher Moral durchdrungen war. Der Eindruck, den diese philiströse Bierbankpoesie mit ihrer verschnörkelten Knittelreimkunst macht, ist der der wüstesten Geistlosigkeit. Die auf Juden

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