Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 5-6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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88 „Ich bekenne mich — sagte ein aus dem Kerker vor den Inquisitoren erschienener portugiesischer Jude — ich bekenne mich zu einem Glauben, von dem ihr selbst lehrt, daß er von Gott gegeben sei. Er hat diese Religion einst geliebt. Ich glaube, er liebt sie noch, während ihr glaubt, daß er sie nicht mehr liebe. Und weil ihr dies glaubt, verdammt ihr die zum Feuertode, die überzeugt sind, daß Gott noch liebe, was er einst geliebt. Ihr werfet den Muhamedanern vor, ihre Religion mit dem Schwerte verbreitet zu haben. Ihr habt Recht. Aber verbreitet ihr die eurige nicht durch SHeiterhaufen? Ihr suchet die Göttlichkeit eurer Religion durch die Hinweisungen auf die Verfolgungen und den Fall der Heiden und auf das vergossene Märtyrerblut als die Ursachen ihres Wachsthums zu begründen. Tretet ihr aber jetzt nicht selber an die Stelle Diocletians und räumt uns eure Stellen ein? Ach ihr wollet, wir sollen Christen werden und ihr verschmähet es selber Christen zu sein. Wenigstens seid Menschen und behandelt uns, als hättet ihr gar keine Religion, euch zu leiten, und gar keine Offenbarung zu eurer Erleuchtung. Hat der Himmel euch wirklich also geliebt und begünstigt, euch die Wahrheit zu offenbaren, dann seid ihr in der That seine bevorzugten Kinder. Aber ziemt es den das väterliche Erbe besitzenden Kindern, diejenigen zu hassen, die kein Theil an diesem Erbe haben? Ueber Geister und Herzen zu siegen ist das charakteristische Zeichen der Wahrheit, aber ihren Einfluß durch Strafen, Schaffst und Qualen zu erzwingen, heißt nur die Ohnmacht der Wahrheit gestehen. Wird Jemand in künftigen Zeiten zu behaupten wagen, daß in der Zeit, in der wir leben, die europäischen Nationen gebildet waren, so wird man euch zum Beweise anführen, daß sie Barbaren gewesen." Es war der gefeierte portugiesische Dramatiker Antonio Joseph, der im Jahr 1745 vor dem Jnquisitionstribunal in Lissabon dieses freimüthige Bekenntniß ablegte, aber vor tauben Ohren und ehernen Stirnen. Bald kam der Tag des Auto-da-Fss , dem das Volk mit Lust entgegensah. Die Frauen zeigten sich in ihrem besten Schmuck an den Fenstern. Der König Johann V. kam, denn der König durfte, um nicht selbst verdächtig zu werden, nie fehlen. Die Procession mit den Verbrechern, größtentheils Juden, gelangte