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Dibre Emeth · 1860-01-01 · 5-6 (1860) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
16 (1860)
Issue
5-6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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67 genoffen nicht gleiche Normen, wie für sein Verhalten gegen den NichtiSraeliten — diePflicht allgemeiner Menschenliebe kommt innerhalb der mosaischen Gesetzgebung nirgends zu unumwundenem Ausdruck. Daß die durch und durch von dem königl. Doppelgebot der Gottes- und Menschenliebe beherrschte Gesetzgebung des Himmelreichs, welche der Bergprediger vorträgt, hoch über dem mosaischen Gesetze steht und den wahren eigentlichen Gotteswillen auS diesem herausschält, muß zuletzt der Jude selber eingestehen, aber wie unähnlich ist Jahrhunderte lang das Verhalten der Kirche gegen die Juden jenem Liebesgesetze ihres gottmenschlichen Gesetzgebers gewesen! Sie hat alles Herbe und Schroffe in dem Verhältniß des alttest. Gottesvolkes zu den Heiden sich angeeignet und es in ihrem Verhältnisse zu den Juden entsetzlich überboten. Das Wort des Gekreuzigten: „Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun" hat in ihr nur den spärlichsten Wiederhaü gefunden, aber dafür hat sie alle Fluchworte der Psalmen gegen die Juden geschleudert, um diese ja nicht inne werden zu laffen, daß der sionitische Geist der Kirche ein anderer sei, als der sinaitische der Synagoge. Den lhatsächlichen Beweis, daß aus dem offenen Brunnquell der Liebesthat der Erlösung sich bisher unerhörte Triebe einer die Welt umfassenden und überwindenden Liebe ergießen, und daß das Christenthum eben die Religion dieser Liebe ist, diesen Beweis für die Wahrheit des Christenthums, durch den die apostol. Gemeinde sich unzählige lebendige Glieder aus der Synagoge gewann, ist die spätere Kirche den Juden schuldig geblieben. Wie hat sie, wie hat der christliche Staat unter ihnen missionirt! Mit hochnothpeinlichen Erecutionen, mit haarsträubender Beschimpfung, mit unmenschlicher politischer Drangsalirung. Wir möchten es gern verschweigen, wenn sich diese kirchl. Propagande, die bis ins vorige Jahrhundert und noch weiter herabreicht, nicht in Nationalliedern und Geschichtsbüchern unvertilgbar dem jüdischen Gedächtniß eingeprägt hätte, und wenn nicht die jüd. Literatur der Gegenwart bemüht wäre, alle diese schwarzen und blutbefleckten Blätter der Kirchengeschichte vor uns aufzuschlagen. Unterbrechungen hat während eines mehr als jahrtausendjährigen Verlaufs diese Missionsweise der Kirche erlitten, aber keine Wandlung. 5*

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