Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 5-6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 der Liebe ausrichten zu müssen gemeint hat, da ist erstens ihr Glaube eine pharisäische Bigotterie gewesen, und zweitens hat die Hölle, deren Wesen der Grimm und der Haß ist, zugleich mit der Kirche missionirt und hat alles, was die Kirche gewirkt hatte, entweder hinterdrein, oder alles, was die Kirche wirken konnte, in voraus verschlungen. Die Art und Weise, wie die Kirche über ein Jahrtausend lang ihre Mission an die Juden ausgerichtet hat, ist ein himmelschreiender Beleg dieser Erfahrungsthatsache. Seit die Kirche unter Constantin Staatskirche geworden ist, ist auch ein Verhalten gegen die Juden in ihr Sitte geworben, welches wie geflissentlich darauf angelegt war, diese in ihrem Widerwillen gegen das Christenthum zu bestärken, statt ihnen Achtung vor dem Christenthum abzunöthigen und Zuneigung zu demselben abzugewinnen. Und fürwahr, allzuschwer wäre das nicht gewesen. Denn wie erhaben ist die christliche Moral über die jüdische! Von den vielen Verirrungen der talmudischen Moral in ekelhafte und unsinnige Unsittlichkeit wollen wir gern schweigen. Aber auch das alttest. Sittengesetz, obschon Gottes Offenbarung, ist doch nur eine relative Offenbarung des heil. Gotteswillens an die Menschheit. Der Dekalog bedarf, um als Compendium der sittlichen Anforderungen Gottes an den Menschen zu gelten, einer über seinen Wortlaut hinausgehenden Verinnerlichung. Das Deuteronomium bringt zwar schon die Vielheit der Gebote auf das eine Grundgebot der Gottesliebe zurück, aber ohne die nationale Schranke zersprengen zu dürfen, in welche die göttliche Offenbarung selbst auf eignen Antrieb erzieherischer Weisheit sich hineinbegeben hat. Wir verkennen nicht, wie es besonders an den Vorschriften über das Verhalten gegen Arme, Wittwen, Waisen und Fremdlinge sich bewährt, daß kein anderer Gott das Gesetz vom Sinai gegeben, als der Gott, welcher die Liebe ist, aber nicht minder unleugbar ist der vielfach accommodative Charakter dieses Gesetzes, denn es läßt die dem Wesen der Gottesbildlichkeit des Menschen widersprechende Sklaverei und die dem Wesen der Ehe widersprechende Polygamie unangetastet, enthebt die Ehescheidung nicht der Willkür des Mannes, sondern begnügt sich mit einem Minimum zu ihrer Beschränkung, und es giebt für das Verhalten des Israeliten gegen den Volks-