Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 3-4 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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86 I. Man hat gemeinhin diese letzte Frage, welche die Jünger an den auferstandenen Heiland richteten, als eine ebenso thörigte und vorwitzige bezeichnet und darin einen Beweis gefunden, wie gehalten noch ihre Augen waren, wie irdisch ihre Messias-Hoffnungen, wie beschränkt ihre Einsicht, wie kurzsichtig ihr Blick: aber, wenn wir auch zugeben können, daß der Geist, welcher sie in alle Wahrheit führen sollte, noch nicht über sie gekommen war und daß sich ihre Hoffnungen noch nicht in die Geduldswege des Heilsrathes Gottes geschickt hatten, so müssen wir doch auch wohl beherzigen, daß diese Frage den Jüngern sehr nahe lag, ja daß sie zu derselben sich hingedrängt fühlen mußten durch Alles, was sie aus den Propheten gelernt und von dem Herrn selbst gehört hatten. Es wird uns daher zuerst obliegen, zu zeigen, welche Berechtigung diese Frage hat? Die Aufrichtung des Reiches Israel zu einem ewigen Königreiche Gottes unter dem Messias aus Davids Stamme, welcher siegreich und friedreich herrschen werde über alle Völker der Erde — das ist das Ziel aller prophetischen Weissagung des Alten Bundes. Was der Engel Gabriel von diesem Sohn des Höchsten vorherfagte: Und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters Davids geben und er wird ein König sein über das Haus Jakobs ewiglich und seines Königreichs wird kein Ende sein; (Luc. 1, 33.) was Zacharias Lobgesang rühmte: Gelobet sei der Herr, der Gott Israels, denn er hat besuchet und erlöset sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Hause seines Dieners Davids, als er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten: daß er uns errettete von unseren Feinden und von der Hand aller, die uns hassen, und die Barmherzigkeit erzeigte unseren Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen unsrem Vater Abraham, uns zu geben, daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Lebenlang in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist — das