Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 16 (1860)
- Issue
- 1-2 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Rec.? Oder hat Er nicht vielmehr heiße Thränen des Erbarmens und Mitleidens geweint über ihren Zustand und noch am Kreuz für sie gebetet? Geziemt es einem Manne, der sich seines Herrn Jesu Christi rühmt, und der vielleicht gar noch ein Prediger ist, zu erklären: „Brenne nicht von pietistischem Eifer für die Judenmisston?" Gereicht ihm eine solche Erklärung zur Ehre oder zur Schande? Das Herz Jesu Christi brannte in dem Eifer Israel zu suchen und zu retten; er sprach in diesem Eifer: „ich bin gekommen ein Feuer anzuzünden auf Erden, und was wollte ich lieber, denn es brennete schon." Es wird uns nicht beikommen, einem solchen Rec. „die Identität von Predigtamt und Mission einreden" zu wollen, aber die Identität von Apostclamt und Predigtamt wird er doch in gewissem Sinne gelten lassen. Hat nun etwa der Heiden-Apostel Paulus auch eine solche Erklärung abgegeben: „Bekehre die Juden, wer da will, bin ein nüchterner, allkägiger Christenmensch, brenne nicht von pietistischem Eifer für die Judenmisston?" Wohl wissen wir, daß Jesus Christus zur Nüchternheit ermahnt, wohl wissen wir auch, daß die Apostel Paulus und Petrus die „Christenmenschen" ermahnen „nüchtern" zu sein, 1. Thcss. 5, 6. 1. Petri 5, 8.; aber von einer solchen Nüchternheit eines Christenmenschen, die die Bekehrung der Juden zu einem Gegenstände des Witzes und Spottes mache, haben wir in der Bibel noch nichts gefunden. Der Apostel Paulus war kein solcher „nüchterner alltägiger Christenmensch," sondern er mußte sich seinen „pietistischen Eifer" auch vorwerfen lassen, denn Festus sprach mit lauter Stimme: „Paule, du rasest, die große Kunst macht dich rasend." Apg. 86, 24. Wie ein Paulus in diesem „pietistischen Eifer für die Judenmission brannte" und also von unserm „nüchternen alltägigen" Rec. verschieden war, bezeugt er selbst, wenn er Rom. 9, >1—3 schreibt: „Ich sage die Wahrheit in Christo, und lüge nicht, deß mir Zeugniß giebt mein Gewissen, in dem heiligen Geist, daß ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlaß in meinem Herzen habe. Ich habe gewünscht, verbannet zu sein von Christo für meine Brüder, die meine Gefreundte sind .nach dem Fleisch." Wie „ein Christenmensch" sich solcher „nüchternen, alltägigen" Gleichgültigkeit gegen