Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 10-12 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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172 der allgemeinen Bekehrung der Juden den Muth haben, diese Stelle auf das geistige Israel zu beziehen? Sie müßten alsdann ein geistiges Israel, ein Volk Gottes, mit „gottlosem Wesen" annehmen, was ste doch wohl Bedenken tragen dürften, thun zu wollen. Soll aber die Stelle sich auf das leibliche Israel beziehen, so muß doch dasselbe auch in den Worten genannt und gemeint sein, an welche der Apostel die begründende Beweisstelle anreiht. Denn sie zurückführen und beziehen wollen auf Vers 25, wo von der Blindheit Israels die Rede ist, geht nicht an, da zwischen jenem Satze und diesen Worten in Vers 26 zunächst die Fülle der Heiden, dann, nach des Verfassers Ansicht, das geistige Israel genannt ist. Wenn man aber auch wirklich die Worte aus dem alten Testament an jene anreihen wollte, kann man es aus dem einfachen Grunde nicht, weil es einen reinen Unsinn geben würde; denn wie ließe sich eine solche Verbindung und Schlußfolgerung denken: Blindheit ist Israel eines Theils widerfahren — und nun die folgenden Worte gleichsam in einer Parenthese — wie geschrieben steht: Es wird kommen u. s. w. Dann würde der Apostel das grade Gegentheil von dem beweisen, was er eben behauptet hat. Nehmen wir aber die Worte in ihrer einfachen Stellung, wie sie stehen, enthalten wir uns aller Ergänzungen und Einschiebsel, sehen wir ab von allem gezwungenen Deuten und Vergeistigen, lassen wir „das ganze Israel" dasjenige sein, was es den klaren, einfachen, ungekünstelten Worten nach ist, nämlich Israel nach dem Fleisch; so ist auch der Zusammenhang mit dem Folgenden ein ganz einfacher genauer und klarer; ohne alle Künstelei schließen sich dann auch die weiter folgenden Worte an: Nach dem Evangelio sind sie Feinde um euretwillen, aber nach der Wahl sind sie geliebt um der Väter willen. Was der Thefensteller mit dem Nachsatze will: „Denn wäre es nicht so (d. i. würden nur gläubige Heiden selig) so würde dies Israel nicht ganz und voll sein," will uns nicht klar werden. Ein solches geistiges Israel aus Juden und Heiden bestehend ist ja seit 1800 Jahren schon immer da gewesen und braucht nicht erst zur Thal zu werden in einer etwa noch künftigen Bekehrung von Juden. Denn bekanntlich wurden, wie auch schon oben erwähnt ist, mehrere