Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 10-12 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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170 immer. Die Zeit, wie lange sie dauern solle, ist in den Worten angegeben: „so lange bis die Fülle der Heiden eingegangen sei." Nach diesem „so lange bis" — erwartet doch Jedermann, daß der Apostel auch sagen solle, was dann mit diesem größern Theile geschehen solle und werde; und zwar erwartet man das um so mehr und gewisser, als der Apostel in demselben Verse auch sagt: ich will euch nicht verhalten, lieben. Brüder, dieses Geheimniß. Dieses Geheimniß kann weder die Blindheit überhaupt, noch auch bloß das Theilweise derselben sein, denn dies Beides war kein Geheimniß, sondern war und ist Jedermann eine offenbare und bekannte Thatsache; aber daß diese theilweise Blindheit enden, wann und wie sie enden werde, das ist bas Geheimniß. Aber dies Geheimniß, von dem er sagt, er wolle es den gläubigen Römern nicht verhalten, hat er ihnen dennoch verhalten, wenn nicht die Worte: „Und also das ganze Israel selig werde," eben die Enthüllung des Geheimnisses sind. Denn wenn unter dem „ganzen Israel" nicht das leibliche, sondern das sogenannte geistige verstanden werden soll, so findet stch ja doch kein Wort, das über den Ausgang des verblendeten Israels Aufschluß gäbe. Angenommen aber, „ganz Israel" sei das aus Juden und Heiden gesammelte gläubige Volk Gottes, so ist ja in dem, waS der Apostel von diesem sagt, wieder gar kein Geheimniß geoffenbart. Denn daß das wahre, geistige Israel, und zwar das ganze, selig wird, das war und ist ebenfalls eine aus dem ganzen Worte Gottes bekannte Sache. Ist unter dem „ganzen Israel" nicht das leibliche Israel zu verstehen, Jo hat der Apostel grade das nicht gesagt, was nach dem ganzen Capitel die Hauptsache ist, auf die er hin argumentirt. Man beschuldigt stillschweigend auf diese Weise den Apostel gradezu, wie die Juden den Erzvater Jakob, er habe 1. Mos. 49 seinen Kindern die Zukunft offenbaren wollen, habe aber nicht gedurft, denn die Schechina sei von ihm gewichen. Dies Alles fühlte der Thesensteller, und mit ihm muß jeder Vernünftige fühlen, daß nach dem: „so lange bis" — auch angezeigt werde, welche Aenderung alsdann eintreten solle, und darum schafft sich der Verfasser selbst Hilfe, indem er das, was nach seiner Meinung fehlt, einschiebt und ergänzt. Hat aber der Apostel nicht