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Dibre Emeth · 1859-01-01 · 8-9 (1859) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
15 (1859)
Issue
8-9 (1859)
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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143 Fußboden und erwarteten ihren Lehrer, und fünf seiner Töchter standen in der Stube, alle emsig im Nichtsthun. Der Wirth warf sich sogleich auf den Fußboden, kreuzte seine Beine und hieß mich dasselbe thun, während er in seinem arabisch-jüdischen Jargon seinen Töchtern erzählte, wie und wo wir uns getroffen hätten, und was der Gegenstand unserer Unterhaltung gewesen sei. Sind Sie ein Engländer? Sind Sie von jüdischer Abkunft? Haben Sie die Gemarah studirt? Haben Sie heilige Bücher? Wie lange sind Sie schon hier? u. s. w. u. s. w. dergleichen Fragen richtete er eine Menge an mich, ohne mir Zeit zu geben, sie zu beantworten. Dann sagte er: Als ich Sie sprechen hörte, glaubte ich, die Tage des Messias seien nun gekommen. Wegen unsrer Sünden hat er seine Ankunft verschoben, und wegen der großen Armuth unsres Volkes hat Niemand Zeit, darüber nachzudenken, wann und wo und wie er wohl kommen dürfte. Wir gehen Alle in der Irre wie Schafe, ein Jeglicher siehet auf seinen Weg. Hier unterbrach ich ihn und sagte, ich wollte den Schluß dieses Verses anführen, der da lautet: Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Er gab daraus keine Antwort und ich schwieg auch einen Augenblick. Der alte Mann hatte die Bibelstelle angeführt, ohne zu wissen, wo und in welchem Zusammenhänge sie stdhe und er schien sich darüber besinnen zu wollen. Ich fragte ihn daher, wer ist es, auf den der Herr unsre Sünden gelegt hat? und dabei schlug ich meine Bibel auf und las ihm das ganze Kapitel Jes. 53. Als er die Bibel sah, war seine Freude groß, aber sein Erstaunen über den Inhalt jener Weissagung war wirklich ohne Grenzen. Dann sagte er: „Wenn der Messias für die Sünden seines Volkes leiden soll, warum kommt er denn nicht?" Israel, meinte er, ist doch gegenwärtig sündig genug. Da ich kein Neues Testament bei mir hatte, erzählte ich ihm in kurzen Worten das Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi und bat ihn dann, er möchte mir ehrlich sagen, ob dieser Jesus von Nazareth nicht der Mann der Schmerzen sei, von dem der Prophet Jesaias rede? Er sähe auf eine seiner Töchter und fragte nach kurzem Bedenken: „War er von der Familie Davids?" Durchdrungen von dem Gefühl, daß in dem Manne ein Geist ernstlichen Forschens war und da ich nicht

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