Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 8-9 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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127 doch klar hervor, daß Gott nicht, wie vr. PH. behauptet, den Menschen mit „den Begierden und Leidenschaften" erschaffen habe; aber eS heißt Seite 694. auch noch ausdrücklich: „ Adam, so spricht der Midrasch, fühlte sich vor dem Sündenfall so stark und vollkommen, daß ihm die Stimme Gottes gleich dem freundlichen Gruß eines geliebten Freundes klang, doch sobald er sich von Gott losriß und der Sünde verfiel, erschrak er vor dem sonst sehr gern gehörten Rufe Gottes und verkroch sich unter den Baum." — Also giebt es nach der Lehre des Talmud und der Midraschim doch einen „Sündenfall." Lehrt nun und schreibt und predigt vr. PH. „Wahrheit" wenn er dies leugnet? Ist seine Religion in Uebereinstimmung oder im Widerspruch mit der israelitischen Religion des Talmuds und der Midraschim? Freilich, vr. PH. kann uns auf die Anfangsworte der „Abhandlungen" verweisen und sagen, daß er im Einverständniß mit den Midraschim sei, denn dort heißt es Seite 690. „An die Worte: Gott sah Alles, was er geschaffen, und es war sehr gut (1 Mos. 1, 31.), knüpfen sie folgende Betrachtungen. Und es war sehr gut — das, so sprechen sie, bezieht sich auf die Schöpfung des Triebes zum Guten und des zum Bösen, denn wäre der böse Trieb nicht, so hätte Niemand ein Haus gebaut, Niemand eine Frau geehelicht, Niemand Kinder gezeugt, Geschäfte getrieben und so weiter." Es ist offenbar, daß hier von „der Schöpfung des Triebes zum Guten und des zum Bösen" geredet wirv^Mgli^ sagen ja die Midraschim selbst, daß auch der Trieb zum Bösen dem * Menschen von Gott anerschaffen sei. Ja in Nr. 8. Seite 114 vom Jahr 1859 heißt es in der Fortsetzung dieser „Abhandlungen" ausdrücklich: „ Gott schuf in uns den Trieb zum Bösen." Wie zugleich behauptet werden kann, Gott habe in uns den Trieb zum Bösen geschaffen und doch wiederum, er sei nicht die Quelle des Bösen, müssen wir „der Thatkraft des Armes" vr. PH. überlassen zu erklären; wir sind indeß überzeugt, daß er aus diesem Geschreibe der jüdischen Midraschim und seiner Judenzeitung keine übereinstimmende Wahrheit herausbringen wird, sondern nur die Uebereinstimmung, daß er sich selbst in denselben Widersprüchen bewegt, wie die Midraschim. Aber die Wahrheit will eben da nicht im