Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 8-9 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554694-2554700--03144-2559036- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
125 sogenannten Midraschim gegenüberstellen, wie sie in der Allgemeinen Judenzeitung selbst mitgetheilt werden, und es wird sich dann zeigen, ob er mit „der Thalkraft seines Armes" die „Wahrheit, verficht, so daß er auch als „Greis" dies als „den Trost seines Scheidens" festhalten kann. In Nr. 50, Jahrgang 1858 der Allgemeinen Zeitung deS Judenthnms wird unter der allgemeinen Ueberschrift: „Abhandlungen verschiedenen Inhalts" zunächst „die Lehre vom Bösen und Guten nach dem Talmud und den Midraschim von vr. I. H a m b u r g e r, Rabbiner" mitgetheilt; in diesen „Abhandlungen" heißt es Seite 682: „Die jüdischen Weisen wiesen mit vieler Richtigkeit nach, daß das Böse und Gute aus einer ganz andern Quelle herrührt" — nämlich nicht von zwei verschiedenen Gottheiten — „ daß der Mensch selbst das Böse und Gute hervorbringt; daher wie er allein und nicht Gott die Quelle des Bösen geworden, alio kann er selbst auch die des Guten werden. Bewege du dich nicht nach dem Bösen, lehren sie, so wird das Böse dich nicht verfolgen, nicht bei dir wohnen, denn also heißt eö: das Böse findet keine Stätte bei dir. Ps. 8, 5." — Wir wollen hiebei nur bemerken, daß die Bibelstelle Ps. 5, 5'. sein soll. Wenn aber die jüdischen Weisen diese Bibelworte von dem Menschen verstehen, daß das Böse keine Stätte bei dem Menschen findet, so ist das eine schmähliche Verdrehung, denn David sagt, daß bei Gott das Böse keine Stätte findet. Der ganze Vers heißt in der lutherischen Bibel: Du bist nicht ein Gott, dem gottlos Wesen gefällt; wer böse istbleibet nicht vor dir; oder wie vr. Zunz die letzten Worte giebt: „nicht weilt bei dir das Böse." Und so wird auch in Nr. 51. Seite 709 in der'Fortsetzung dieser „Abhandlungen" mit adermaliger falscher Anführung des Psalmes und Verses die Stelle gegeben: „Denn du bist kein Gott, dem Frevel gefällt, bei dir findet das Böse keine Stätte. Ps. 8, 8." Auch das zeigt, wie das Judenthum, das rabbinifche wie das reformirende, die Wahrheit auSübt, daß es eine und dieselbe Bibelstelle einmal auf Gott bezieht und ein andermal auf den Menschen, je nach dem es in ihren Kram paßt. — „Nichts Böses, so heißt eS ferner, kommt von oben (von Gott) — er läßt den Regen hinünterstürzen, aber durch die Sünden