Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 6-7 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554694-2554699--03115-2559006- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
die i des Alten Testaments -hat mit Recht bisher den Anspruch erhoben, daß ste eine bessere Liebe lehrte, als irgendwo in der Heidenwelt gefunden wurde; wenn sie aber wirklich eine solche wäre, die kein Unrecht duldet, so wäre sie auch nicht ein Haar breit besser, als die Liebe der Heiden. Eine solche Liebe mögen wir gar nicht einmal als zum Wahrspruche der Religion der Reform-Juden gehörend, bezeichnen; denn wir würden ihnen damit Unrecht thun, da wohl Mancher von ihnen schon Unrecht erfahren und doch dasselbe erduldet und also Liebe bewiesen hat. Diese unduldsame Liebe muß nur bei Vr. PH. Geltung haben. Wenn wir Beispiele aus dem Alten Testament von einer das Unrecht duldenden Liebe anführen sollten, wir wußten kaum, wo anfangen und wo aufhören. Die Geschichte eines jeden frommen Vaters von Abraham an, bietet nicht ein, sondern viele Beispiele von dieser duldenden Liebe dar. Wenn ein David von Simei ein Bluthund und dergleichen mehr gescholten wird, so war dies doch wohl ein Unrecht; was sagt aber David zu denen, die hingehen und dem Flucher den Kops abreißen wollten? laßt ihn fluchen, denn der HErr hat es ihm geheißen. Darf die Liebe kein Unrecht dulden, was wird denn der Herr Rabbiner von der großen -duldenden Liebe Gottes sagen, die uns auf allen Blättern der Bibel entgegen tritt, und die nach der Lehre der heutigen Reform-Juden noch viel größer sein muß, als wir sie uns denken; denn diese wollen ja gar keine strafende Gerechtigkeit Gottes anerkennen. Was hat ganz kürzlich erst Herr vr. Frankfurter in Hamburg für ein Zetergeschrei erhoben, daß ein christlicher Prediger von Gerichten und Fluch Gottes über die Sünde reden konnte? Wir sagen, die Liebe duldet das Unrecht, und die Liebe Gottes duldet das größte und meiste Unrecht; darum heißt er auch der geduldige^ langmüthige vergebende, barmherzige Gott, und es ist einem jeden armen Sünder ein liebliches Und tröstliches Zeugniß, das uns Moses ausgezeichnet hat, wenn es heißt: „Herr, Herr Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der du bewahrest Gnade in tausend Glied, und verziehst Miffethat, Uebertretung und Sünde S Mos. 34, 6 und 7." Rach der Lehre der ganzen heiligen Schrift, nach dem Beispiele der frommen Männer, 7