Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 6-7 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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96 die Liebe kein Unrecht thun darf, das ist gewiß, aber wir möchten uns doch eine Frage an den Herrn Rabbiner erlauben, ob er mit seiner Liebe nicht sehr viel Unrecht ihut? Cr sagt: „die Liebe forscht und mißt nicht, sondern giebt was sie hat, und behält nichts für sich." Wir müssen gestehen, wenn Herr Ph. diesen Grundsatz bisher treulich und ehrlich befolgt hat, so hat er bereits sehr viel Unrecht begangen. Sollte er noch niemals von Trunkenbolden, Müßiggängern und Andern dergleichen liederlichen Personen um Dies und Jenes angegangen worden sein? Wenn er da gegeben hat, was er nur hatte, ohne zu forschen und zu messen, hat er da nicht mit seinen Gaben ohne Maaß den Müßiggang, die Spielsucht, die Trunkenheit, die Schwelgerei u. s. w. unterstützt? Während der Herr Dr. so fleißig predigt und schreibt, damit das „Unrecht verschwinde von der Erden," fördert'er dasselbe fortwährend durch seine maßlose Liebe. — Das ist uns aber eine neue Lehre, daß „die Liebe kein Unrecht dulden darf." Die christliche Lehre tritt da in den entschiedensten Widerspruch und Gegensatz mit dieser Lehre von der, wenn auch noch so maßlosen, Liebe der Reformjuden; denn in der oben erwähnten Beschreibung der christlichen Liebe, heißt es ausdrücklich: „die Liebe vertrüget Alles, sie duldet Alles." Die Apostel des Neuen Testaments lehrten und übten eine duldende Liebe; sie schämten sich nicht zu bezeugen: „Wir werden geschlagen, und haben keine gewisse Städte, man schilt uns, so segnen wir; man verfolgt uns, so dulden wir es; man lästert uns, so flehen wir. Wir sind stets als ein Fluch der Welt, und ein Fegvpfer aller Leute. 1 Cor. 4, 11 —13." Dies hatten sie von dem gelernt, den sie als ihren HEtrn und Messias erkannt hatten und welcher lehrte: „Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen, thut wohl Denen, die. euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen; auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel;" und der in seiner daS Unrecht duldenden Liebe den höchsten Beweis derselben gab. Wir glauben auch mit Gewißheit und Zuversicht annehmen zu dürfen, daß Herr vr. Ph. um dieser unduldsamen Liebe willen, wenig Anklang finden wird. Wer sich zu einer solchen Lehre von Liebe bekennen kann, weiß in der That nicht, waS Liebe ist. Die israelitische Religion, d. h.