Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 6-7 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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91 lich auch heißt: sie blähet sich nicht, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit u. s. w. Der Verfasser hat aber eben seine eigenen Ansichten von allen diesen Dingen. So sagt er denn auch hier, indem er die beiden ersten Stücke seines „Wahrspruches" mit dem dritten vergleicht: „Die Wahrheit forscht, das Recht mißt — aber die Liebe forscht und mißt nicht, sondern giebt." Bisher hat man „das Recht" oder die Gerechtigkeit sinnbildlich immer unter einer Wagschale dargestellt; der Herr Dr. Ph. ist aber mit seinem „Forschen" nach „Wahrheit" bereits so weit gekommen, daß das nicht die rechte Darstellung ist, sondern er sagt: „das Recht mißt;" nur hat er uns noch im Dunkeln gelassen, ob dies Messen geschehen soll mit einer Elle oder mit einer Meye oder mit einem Quart. Jedenfalls ist es ein ungeheurer Fortschritt und wenn die allgemeine Zeitung des Judenthums schon 1835 in einem Artikel: „die Wichtigkeit der Juden" — ausrufen konnte: „Wir schreiten weiter," welch ein Riesenschritt vorwärts ist nun geschehen, da wir wissen, daß „das Recht mißt?!" Wenn dieses Recht der Reformjuden nur auch recht und besser messen möchte als das rabbinische! Der Artikel über Wahrheit und Recht und Liebe giebt leider noch keinen Beweis von gerechtem Messen. „Die Liebe," sagt der Verfasser, „giebt, giebt was ste hat; das Recht sondert: das ist dein, dies ist mein, aber die Liebe giebt auch das Mein und behält nichts für sich." Das Zeugniß müssen wir dem Verfasser geben, daß er auch in seiner Liebe redlich immer vorwärts schreitet, wie in andern Dingen. In einem srühern Jahrgange haben wir die Harfenklänge des Herrn vr. Ph., welche die Sendung Israels besingen, besprochen. Dort sang der Herr vr. von der Liebe nur: „Liebe, wie dich selbst, den Nächsten, nicht mehr und nicht minder." Damals scheint auch seine Liebe noch gemessen zu haben und zwar sehr genau und sorgfältig, damit er weder zu viel gebe, noch zu wenig behalte. Hier aber ist diese Aengstlichkeit und dieses genaue Abmeffen zwischen „nicht mehr und nicht minder" hinweggefallen und er sagt ohne alle Einschränkung: „die Liebe mißt nicht, sie behält nichts für sich." — Darauf fährt der Verfasser also fort:- „Und nun frage ich Euch: wer hat die Liebe