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Dibre Emeth · 1859-01-01 · 6-7 (1859) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
15 (1859)
Issue
6-7 (1859)
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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90 ganzen Wahrspruch zu sein, denn sie kräftigt und ziert sein „Recht" und seine „Wahrheit," sie duftet und leuchtet, sie schirmt und schützt, sie ist das eigentliche Element, das Ein und Alles. Aber sonderbar! Bei Wahrheit und Recht fragt er, was ein Jedes ist, und giebt dann eine Beschreibung; hier fragt er wohl auch, aber eigentlich erst mitten in der Schilderung und nimmt dann diese Frage zugleich zurück, indem er sagt: „Keiner fragt, was fie lst, denn Niemand weiß es." Das ist seltsam. Ob „der gute Mann" das auch von sich selbst bekennt, und sich somit ein testlmoiüum paupertatis ausstellt, oder ob das nur von Andern gesagt sein soll? Denn da er so rührend und gewallig von „der Liebe" zu reden weiß, muß er selbst seinen Gegenstand doch wohl kennen. Meint er aber, daß nur alle Andern so unwissend wären, so würden wir abermals dieselbe Anmaßung an dem Herrn Dr. wahrnehmen, die er freilich längst hinlänglich bekundet hat. In dem Falle gäbe er aber gleich von vornherein einen schlechten Beweis von seiner eigenen „lautern und reinen Liebe," die in ihm „das Mark des Lebens" wäre; er würde sie da nicht als „die Rose" duften lassen, sondern sie würde ja stechen und verwunden gleich „den vielen Dornen." Wir können in den Worten: „Niemand weiß es, was die Liebe ist," nur eine große Anmaßung und grobe Ungerechtigkeit finden. Denn wenn er auch eine Sache nicht kennt, so folgt ja noch nicht, daß „Niemand" sie kennt. Daß ein Mann, der „am Meere" die Gottheit begreift, sich für den weisesten Mann der Gegenwart nicht nur sondern auch der Vergangenheit halten muß und kann, das ist wohl einleuchtend; aber eine solche Weisheit sollte doch auch billig und gerecht sein. Einen Mann aber können wir ihm wenigstens nennen, der gewußt hat, was die Liebe ist, und das war auch, wir wollen es gern bekennen, ein Israelit, derselbe, auf den wir schon im Vorhergehenden gewiesen haben, nämlich der Paulus, von welchem „der Wahrspruch des Christenthums " herrührt. Hätte der Herr Rabbiner es nicht unter seiner Würde gehalten, das ganze Cap. 1 Cor. 13, zu lesen, in welchem sich eben dieser Wahrspruch findet, so würde er eine Beschreibung „der lautern, reinen Liebe" gefunden haben, die dort noch etwas besser herausgestrichen ist; von welcher es aber frei-

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