Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 4-5 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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76 » in Konstantinopel gebracht und, wie es sich erwarten ließ, als ganz falsch erwiesen. Seit jener Zeit haben andere solche Ausbrüche der Leidenschaft und Bigotterie stattgefunden, eben so sinnlos, aber den Juden keine geringe Gefahr und Drangsal verursachend, welche so muthwilliger Grausamkeit ausgesetzt waren. Und es geschieht mit großem Bedauern, daß wir jetzt ein anderes Beispiel zu berichten haben, wobei jedes Gefühl der Gerechtigkeit und Menschlichkeit verletzt worden ist. Wir geben die Einzelnheiten, wie sie uns von unserm Missionar, Herrn F. G. Kleinhenn, mitgetheilt werden, welcher den Vortheil hat, an Ort und Stelle die beste Gelegenheit gehabt zu haben, sich von den betreffenden Thatsachen zu unterrichten. Die Thatsache, welche solch ungeheures Aufsehen unter den in diesen Theilen zerstreuten Juden gemacht und den Haß der wallachisch-griechischen Geistlichkeit und des unwissenderen und fanatischen Theiles des Volks gegen sie erregt hat, ist folgend«: Am 31. August wurde ein Kind von vier Jahren vermißt, dessen Eltern Bulgarier sind, aber unter englischem Schutze stehen, und das trotz allen Nachforschungen von Seiten der Polizei sowohl als der Eltern und Anderer nicht aufgefunden werden konnte. Früh morgens am 11. September wurde der Stadtviehhirte, als er das Vieh auf das Feld trieb, von seinem Hunde, der hinweg nach einer Lehmgrube lief, veranlaßt hinzugehen und zu sehen, was dort liege. Als er zur Grube kam, fand er eine Anzahl Hunde, welche an dem verstümmelten Körper eines Kindes nagten. Nachdem er die Hunde hinweg gejagt hatte, nahm er die mit geronnenem ' Blute bedeckten Ueberrefte, und nachdem er sie der Obhut der Arbeitsleute in einer benachbarten Ziegelscheune übergeben und einen Boten zu den Eltern des vermißten Kindes gesandt hatte, verließ er den Ort und ging feiner zerstreuten Heerde nach. Das Kind wurde von den Eltern nur an der Farbe und Beschaffenheit der zerrissenen Kleider als das ihrige erkannt, da der Körper so entsetzlich zerfleischt und zerrissen war, daß es ganz unmöglich war, das Kind zu erkennen. Ein Schnitt unterm Arm und ein anderer an einem Beine waren die einzigen Zeichen, daß die Hand eines Mörders bei der Zerstörung des Lebens thätig gewesen war, da die Zersetzung des Körpers natürlich den gefräßigen Thieren zugeschrieben wurde und der vorgeschrittene Zustand der Verwesung die Seiten der abgerissenen Theile so rauh machte, daß die Wunden nicht mit Gewißheit einem Schneideinstrumente zugeschrieben werden konnten. Der Districtsarzt, Dr. Weiner, wurde von der Polizei- und Kriminal-Behörde aufgefordert, den Leichnam zu besichtigen und sein amtliches Gutachten darüber abzugeben, was er in einer klaren und bestimmten Weise that. Aber da er Jude war, so wurde vr. Las-