Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 4-5 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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63 nur der Eine Satz wäre: Es giebt einen Gott; ja wenn es selbst der bloße Begriff von einem Gott wäre, immer wäre es doch noch ein Etwas; aber bei Anwendung der Regeln und Vorschriften des Herrn Rabbiners ist es gewiß, daß auch dieser Eine Gedanke nicht zu allgemeiner Geltung und Anerkennung kommen kann, denn vor Tausenden besteht er die Probe nicht. Es gab zu allen Zeiten Menschen, die zwar Vernunft, Herz und Geschichte hatten; aber auch in diesem Einen Stück stimmten und stimmen die drei Facroren nicht gleichmäßig überein, die drei Stimmen trafen und treffen nicht zusammen, denn schon der Psalmist spricht von solchen, die in ihrem Herzen sprechen: Es ist kein Gott. So bald aber nicht alle drei Faktoren gleichmäßig übereinstimmen, so bald sie streiten, ist der bestrittene Satz auch nicht Wahrheit. Wir kommen zum zweiten Stück des Wahrspruches, nämlich zum „Recht." Der Verfasser frägt auch hier: „Was ist Recht?" weil „unter den Menschen Streit" darüber ist. In „den Gesetzbüchern der Menschen ist hier verboten, was dort geboten; in den Sitten der Völker ist hier Recht, was dort Unrecht" und in „der Wirklichkeit macht oft genug die Gewalt das Recht, der Selbstsüchtige schlägt dem Recht ins Angesicht und sagt: Es ist kein Recht, und Alles beruht auf dem, was wir vermögen." Es will uns hier nicht recht klar werden, welche „Menschen" und „Völker" der Verfasser meint, ob er im Allgemeinen ohne alleAusnahme, also auch von Israel, spricht, oder bloß von den nichtjüdischcn. Das Folgende und namentlich der Schluß dieses Abschnittes über „das Recht," scheint nur die Annahme zuzulassen, daß in dem eben Angeführten bloß wir Heidenvölker gemeint sind. ' Wäre dies, so müßten wir den Herrn vr. bitten, sich doch ein Wenig zu besinnen, was „die Gesetzbücher" Israels sagen; ob in denselben nicht auch „hier verboten, was.dort geboten," ob nicht auch hier Recht, was dort Unrecht," und ob nicht oft genug „die Gewalt das Recht macht;" ja ob nicht grade die gesetzgebenden Rabbiner«, die Verfasser des Talmuds, „die Selbstsüchtigen" sind, die „dem Rechte ins Angesicht schlagen und sagen: Es ist kein Recht, und Alles beruht auf dem, was wir vermögen?" — Wir wollen für uns Christen in dieser Beziehung