Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 4-5 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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56 selben aufgefordert habe. Ob wohl irgend ein Rabbiner, oder ein vr., oder Einer, der Beides zugleich ist, oder sonst Jemand in der angeführten Stelle die Aufforderung und das Gebot gefunden hat, das der Rabbiner vr. PH. darin entdeckt? Er hat diese Entdeckung bereits in seinen-Harfenklängen besungen und hier wird sie in Prosa wieder mitgetheilt. Jedermann, der eine deutsche oder hebräische Bibel zur Hand nehmen und 5 Mos. 4, 30—39 Nachlesen wird, kann und wird sehen, daß es eine tröstende und zugleich beschämende, bestrafende und zurechtweisende Rede ist, die an Israel ergeht, daß sie, trotz Alles dessen, was der Herr au und mit ihnen gethan, ihn doch vergessen und verlassen konnten; es ist eine liebliche und tröstliche Verstcherung der Gnade Gottes, eine Erinnerung an den Bund, den der Herr bereits mit ihren Vätern gemacht und den er nie und nimmer fallen läßt und an dem auch sie sich in der künftigen Zeit nach ihren langen und traurigen Abweichungen aufrichten können und sollen; aber nun und nimmermehr eine Aufforderung mit den drei Faktoren zu prüfen, was Wahrheit ist, nun und nimmermehr ein Befehl: „Laß diese drei Stimmen, Vernunft, Herz und Geschichte sprechen, laut ertönen in deinem Innern, und worin sie Zusammentreffen, das ist die Wahrheit Gottes .. .-Alles Andere aber ist nicht die Wahrheit." — Dann aber wissen wir nicht, was wir in dem Gewebe von Widersprüchen in diesem Abschnitt sagen sollen. Der Herr vr. sagt: „worin die drei Stimmen zusammentreffen, das ist die Wahrheit Gottes, die er dir eröffnet und in seiner Gnade übergeben." Es möchte demnach scheinen, als gäbe es doch noch eine uns Menschen von „Gott in seiner Gnade übergebene Wahrheit." Ist aber das, muß denn alsdann „Vernunft, Herz und Geschichte" erst zu Rathe sitzen und prüfen, ob und worin „sie Zusammentreffen," und in wieweit sie dies „Uebergebene" als „wahr erscheinen" lassen? Wie nun, wenn indem „Uebergebenen" Etwas über des Menschen Vernunft wäre, wie z. B. daß ein Jsraelite, der in der Wüste von feurigen Schlangen gebissen war, eine von Mose aufgerichtete eherne Schlange ansehen sollte, um lebendig zu bleiben, 4. Mos. 81, wird diese Erzählung vor dem Richterstuhle der Vernunft wohl als „wahr erscheinen," als „Wahrheit Gottes" anerkannt