Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 2-3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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41 Schweigen und zur Ergebenheit an den Talmud zu bringen, so wurde er vor.-einigen Tagen nach einem warmen und lebendigen Dispute der Polizei überliefert und verurtheilt, ins Gefängniß geworfen zu werden. Das Oberhaupt der Polizei, der den armen Mann kannte, war entschieden gegen eine solche Gewaltthat, und um die unversöhnliche Feindschaft der Rabbinen zu entkräften, ließ er den Gefangenen heimlich aus einem Zimmer entwischen, während er in einem andern gleichgültig und ruhig die falschen Anklagen niederschrieb, die gegen ihn vorgebracht wurden. Der arme Verfolgte eilte ohne Weiteres, um sich in unserer Schule zu verstecken und am andern Morgen ganz früh kam er auf mancherlei Umwegen zu mir. Furcht und Schrecken waren in seinem Gesicht und in seiner ganzen zitternden Gestalt zu lesen. Ich fühlte inniges Mitleiden mit ihm; da aber die Häuvter der Synagoge hier eine fast unverantwortliche Gerichtsbarkeit über ihre Heerden ausüben, so konnte ich ihm nur rächen, entweder den Schutz des hiesigen Protestantischen Vakeels zu beanspruchen, oder alles Zusammentreffen und jede Berührung mit seinen Feinden zu vermeiden, bis er zur festen Ueberzeugung von der Wahrheit gelangt und im Glauben an das Evangelium wohl gegründet sei. Diesen letzteren Plan hielt er wegen seiner Familie für den besten und ich hege die Hoffnung, daß, wenn er Christum in lebendiger Erfahrung kennen lernt, der Einfluß seines Lebens auch eine gewinnende Kraft auf das Herz seiner Frau und Kinder haben wird. — __ Leidenschaft macht blind. In Nr. 45, Seite 617 der Allgemeinen Zeitung des Juden> thums schreibt der Rabbiner S. W. Willner aus Hssmessno am 11. Oktober 1858: „Es ist mir schon öfter fraglich gewesen, ob man, namentlich in der Synagoge, den Gebrauch der von den Missionsgesellschaften edirten Bibeln zulaffen solle? Denn obgleich der außerordentlich billige Pr'eis derselben der Verbreitung der Bibel auch für die Aermeren vortheilhaft ist, so kann man doch erwarten, daß diese Gesellschaften auch diesen Weg benutzen, um irgendwie ihre Zwecke zu verfolgen.