Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1859-01-01 · 2-3 (1859) · page 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
15 (1859)
Issue
2-3 (1859)
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554694-2554697--03056-2558945
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

40 ihm die heilige Taufe zu ertheilen, ohne deutlichere Beweise von seiner Bekehrung zu haben, als die bloße Verstandes-Ueberzeugung von der Wahrheit des Evangeliums. Der Chacham konnte meine Bedenken nicht billigen, und da er von vielen Versuchungen, Trübsalen und Schwierigkeiten bestürmt wurde, ohne lebendige geistliche Erfahrung zu besitzen, die als Gegengewicht hätte dienen können: so hatte die Lockspeise zu großen Reiz für ihn und in einer dunkeln Stunde gab er den Bitten, Versprechungen und Geschenken seiner Freunde nach. Die Juden triumphirten über ihren Erfolg, und um zu verhüten, daß der irregeleitete Mann ihnen doch untreu würde, ließen sie seinen Namen in dem Polizei-Bureau sogleich aus dem Register der Protestanten streichen. Diese Vorsicht verrieth ihren eigenen Zweifel an seiner Aufrichtigkeit, und ich habe sogar seit jener Zeit von einem Juden erfahren, auf dessen Aussage ich mich verlassen kann, daß der Hauptrabbiner selbst öffentlich erklärt habe, er sei, nachdem er B.'s Vertheidigung des Evangeliums gelesen habe, überzeugt, daß er doch ein Christ sei, wenn er auch tausend Tage fasten sollte. Dies ist eine merkwürdige Erklärung der Worte unsers Herrn Matth. 23, 13: Wehe euch Schriftgelehrten und Pharisäern, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließet vor den Menschen: ihr kommt nicht hinein, und die hinein wollen, laßt ihr nicht hineingehen. Ein Jude, der besonders thätig gewesen war, um B. zur Synagoge zurück zu führen, besuchte mich seit jenem Rücktritte öfters, und wir hatten jedesmal Gespräche über die Controverse zwischen Juden und Christen. Seine Feindschaft gegen die Protestanten und seine Achtung für die Würde und das Ansehen der Chachamim sicherten ihn vor allem Verdacht. Die Unterredungen mit ihm und die Bücher, die ich ihm zu lesen gab, überzeugten nach und nach seinen Verstand und ergriffen, wie ich glaube, auch sein Herz. Er verhehlte diese Veränderung in seinen religiösen Ansichten nicht: im Gegentheil zeigte er auf der Straße und bei allen Gelegenheiten, daß die Gegenstände, über die er am liebsten spreche, die Erhabenen Wahrheiten des Evangeliums seien. Die Chachamim warnten und drohten, da aber diese Mahnungen nichts fruchteten, um ihn zum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.