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Dibre Emeth · 1859-01-01 · 2-3 (1859) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
15 (1859)
Issue
2-3 (1859)
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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ihre Strenge ihn veranlassen würde, sich ganz der Synagoge zu entziehen; sie forderten ihn weder vor ihren Gerichtsstuhl noch schleuderten sie das gedrohte Anathema gegen ihn. Er liest jetzt um so fleißiger das neue Testament und ich bete und hoffe, daß die Wahrheit» die zum Theil in sein Herz gedrungen ist, durch den Geist Gottes dasselbe in Kurzem ganz erfassen wird. In de« letzten vierzehn Tagen haben mehr als zwölf Personen aus Rußland und Polen das Verlangen Nach Religionsunterricht ausgesprochen; aber die schwierige Frage ist, wo und bei wem können sie Untergebracht werden? und auf welche Werse können und sollen sie sich ihren täglichen Unterhalt erwerben? Als Juden finden sie, wenn ihre geringe Baarschaft erschöpft ist, Landsleute oder Freunde ihrer Eltern, die ihnen angemessene Stellen verschaffen, oder fie mit Geld unterstützen, aber als Forschende oder als Proselyten sind sie wie die eingebornen Proselyten aller Quellen betäubt und in jeder Hinsicht dem Mangel ausgesetzt. Ich schrieb schon früher über diesen Gegenstand und ich richte abermals die Bitte an die Freunde Israels uns zu unterstützen, um eine Zufluchtsstätte gründen zu können, wo der jüdische Proselyt mit redlichem Fleiß und gehöriger Arbeit sein tägliches Brov verdienen kann. In einer früheren Mittheilung erwähnte ich der Einkerkerung und Befreiung eines gelehrten Chacham, der einige Monate christlichen Unterricht genossen hatte. Dieser Fall erregte unter den jüdischen Obern eine große Bewegung, und so lieb auch ihnen Allen das Geld ist, so war doch ein Jeder willig beizutragen zu einer Bestechung, um ihn zu bewegen, seine Verbindung mit dem Missionar aufzugeben. Eine Zeitlang blieb der Chacham unerschütterlich, und um sich der ungestümen Zudringlichkeiten, denen er stets ausgesetzt war, zu entledigen, beschloß er sogar seinen Bart abzunehmen und die fränkische Tracht anzulegen, durch welche Umwandlung er in den Augen seiner bisherigen Religionsgenoffen sogleich als Einer erschienen wäre, der die Synagoge verlassen hat. Dieser äußerlichen Veränderung konnte ich aber meine Zustimmung nicht geben, da ich wußte, die Juden würden den Beweggrund mißverstehen; auch hatte ich keine Lust, seinem wiederholten Begehren zu willfahren,

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