Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 2-3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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37 unserS kurzen Aufenthaltes hier nicht thun, so werden wir die erste Gelegenheit benutzen, wenn wir uns in einer Stadt, wo ein Missionar ist, länger aufhalten. Ich gab ihnen einige Tractate und sie versprachen , falls sie nicht vorher abreisten, Donnerstag wieder zu kommen. Heute als am Gedächtnißtage der Zerstörung Jerusalems konnte ich Vor- und Nachmittag von dieser großen Begebenheit, gegen welche jedes andere Ereigniß unbedeutend erscheint, zeugen. Die spanischen Juden, die mich des Morgens besuchten, waren, wie viele ihrer Glaubensbrüder, abergläubig aus bloßer Gewohnheit und hingen dem Talmud an ohne dessen Inhalt zu kennen. Daß derselbe die abgeschmacktesten Lehrsätze, die empörendsten Gebote enthalte, bestritten sie aus allen Kräften, und wiewohl ich ihnen verschiedene Stellen zeigte, die an Gottlosigkeit und Lästerung schwerlich ihres Gleichen finden, so meinten sie doch, es liege eine mystische und bildliche Erklärung in diesen gemeinen Worten verborgen. Ich bat sie, mir eine Erklärung jener Worte des Rabbi Isaak, Sohn deS Rabbi Samuel zu geben, welcher sagt, daß Gott über die Zerstörung Jerusalems weint und kläglich ausruft: „Wehe mir, daß ich mein Haus verwüstet, mein Heiligthum verbrannt und mein Volk unter die Nationen der Erde zerstreut habe!" Sie sahen sich die Stelle lange an, besprachen sich unter einander und sagten dann „Sie haben Recht, es ist weder ein Sinn, noch Wahrheit, nsch Frömmigkeit in diesen Worten enthalten." Wir kamen nun auf die Lehren des neuen Testaments zu sprechen und ich freute mich von ihnen das Geständntß zu vernehmen, daß eine göttliche Offenbarung nothwendiger Weise Geheimnisse enthalten müsse, die über unfern beschränkten Verstand htnausgingen, und daß, so sehnlich wir auch wünschen möchten, das zu enthüllen, was nie für unsere Fassung bestimmt war, wir nicht die Befriedigung einer unvernünftigen Neugierde verlangen könnten, sondern uns mit der Ueberzeugung begnügen müßten, daß unser Glaube sich an die Schrift hält und der Beschaffenheit unserer Natur angemessen ist. Unser neuer Proselyt I. C. hat durch seine feste und unerschrokkene Vertheidigung der Wahrheit die bittere Feindschaft der Juden