Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 2-3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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31 Aber wenn wir sie ansehen, wie sie in der Allg. Zeit, des Judenth. stehen , und daß sie in dem dort gegebenen Sinn und Verstände als ein Wahrspruch der Religion gelten und deren „innerst« Wesenheit und Charakter" ausdrücken sollen, so kann man nur staunen. Ein Jeder hört und fühlt wohl bald, daß mit den Worten: Wahrheit, Recht und Liebe ins Staatliche, ins Weltliche, ins Politische hineingewiesen, hineingesehen und hineingegriffen wird, weit mehr in daS genannte als in das religiöse Gebiet. Schon Mancher hat mit diesen Worten oder mit Wahrheit, Recht und Licht seine Politik, sein politisches Glaubens -Bekenntniß ausgesprochen, aber kein religiöses. Wenn Männer in Wahlversammlungen für das Parlament, für die Kammern politische Reden, halten und sich mit ihren politischen Ansichten und Grundsätzen den Wählern empfehlen wolle», da mag es genügen , daß sie den Kerninhalt ihrer Politik in Wahrheit, Recht und Liebe zusammenfassen; aber die Religion, die nichts weiter enthält, als so ein oder selbst einige Stücke von Politik, ist doch ein elendes, erbärmliches Machwerk, das von dem schweren Worte des Propheten getroffen wirb, der im Namen des Herrn dem Volke schwere Strafen androht, weil ihre Gottesfurcht nur von Menschen-Geboten geregelt wird. Wir wollen damit nicht sagen, daß die Religion von der Politik ausgeschlossen sein solle, das sei ferne; denn die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nütze; aber die Religion darf nicht in der Politik aufgehen, muß etwas mehr enthalten, muß ein höheres Ziel im Auge haben. Welche Definition und Erklärung man auch immer von dem Worte Religion geben mag, wird es doch immer darauf hinauskommen, daß es sich in derselben zunächst und hauptsächlich um unser Verhältniß zu und unser Verhalten gegen Gott handelt. Schon die zehn Gebote und das ganze Gesetz weisen darauf bin, denn die Liebe zu Gott und die Furcht vor ihm wird obenan gestellt und aus dieser Gesinnung gegen Gott folgt erst die Liebe zu dem Menschen als nothwendiges und natürliches Ergebniß. Denn wo keine Gottesfurcht, keine Gottesliebe ist, da wird es auch um alle andern Tugenden, um das rechtschaffene Verhalten unter den Menschen und gegen dieselben im geselligen Verkehr schlecht stehen. Das wußte schon Abraham,