Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 2-3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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30 worden ist? Freilich würde dann ein gewisser „Glaube" und zwar ein sehr starker blinder Glaube erforderlich sein, der nun auch die aufgefundene,, Wahrheit" als solche anerkenne. — Wenn es irgend einen „einfachen, klaren Spruch" giebt, den man bisher als „Wahrspruch der israelitischen Religion" hatte ansehen können und den auch alle Juden überall und zu allen Zeiten gewaltig hervorgehoben haben, den sie mit besonderem Nachdruck und starker Stimme in ihren Gebeten wiederholentlich aussprechen, wie „der Bekenner des Islam, den Du nicht zu fragen brauchst, der es Dir zuruft sein Losungswort in Kampf und Frieden: Allah il Illah, Allah allein ist Gott": so wäre es doch gewiß das bekannte Wort: Höre, Israel, der Herr unser Gott ist ein einiger Herr. Dieser „einfache klare Spruch" hat bisher als der Kerninhalt der Lehre Israels gegolten; die Einheit Gottes ist ja der große Missionsgegenstand, die erhabene Lehre, die immer und immer getrieben wird, die religiöse Idee, der Gedanke, der Begriff, das ist das Ein und Alles. Warum also dies Losungswort aufgegeben? Die Zeiten ändern stch, und so wir es scheint, auch die Wahlsprüche. Fast aber möchte es sonderbar scheinen, daß der Verfasser die jüdische Lehre von der Einheit in seinem Losungsworte aufgiebt und eine Dreiheit der Christen nachahmt! — Des Verfassers Losungswort ist daher weder ein alter, bekannter, noch ein allgemeiner Wahrspruch der israelitischen Religion, sondern vielmehr von dem der letzteren ganz verschieden und dem Wahrspruche des Christenthums, das mit der Lehre der Bibel in vollkommener Uebereinstimmung ist, ganz entgegengesetzt. Es ist daher auch nicht möglich, daß, wie wir bereits gesagt haben, die Religion, deren Kerninhalt durch diesen Wahlspruch ausgedrückt werden soll, einerlei sei weder mit der talmudischen noch der alttestamentlichen. So verschieden die Wahrsprüche von einander sind, so verschieden ist auch das innerste Wesen der betreffenden Lehre. Wir haben Nichts, weder gegen die einzelnen Worte, aus denen der sogenannte Wahrspruch besteht, noch gegen die durch diese Worte bezeichneten Sachen; denn Wahrheit und Recht und Liebe find, im rechten und biblischen Sinne verstanden, löbliche Dinge.