Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 15 (1859)
- Issue
- 1 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Umstände haben „einen jungen Mann" oder „ein 16 jähriges Kind,, zu einem Mordversuche verleitet. Der eine Umstand ist: Das „16 jährige Kind" sieht „die fortschreitende Reform, die in den Cultus eingeführt worden" und dies „hat einen traurigen Einfluß aufseinen Geist geübt;" der andere Umstand ist, daß „Tractätchen in der Synagoge vertheilt" worden sind, welche Vertheilung Herr Pred. Schw. „sehr getadelt hat." Wer hat denn also, nach den eigenen Worten der Judenzeitung, „den Mörder zu dem Verbrechen getrieben?" Sind es nach der Darstellung des Berichterstatters nicht zunächst und zu allererst die Reformer, und in zweiter Instanz erst die Missionare, die aber, wohl gemerkt, die Verbreitung von Tractätchen mißbilligten, die als zweiter Umstand angeführt wird. Die fortschreitende Reform ist doch rein jüd. Sache, die Vertheilung von Schriften in der Synagoge ist von Herrn Schw. in einer öffentlichen Zeitschrift „sehr getadelt" worden, und doch fällt die erste und größte Schuld nicht auf den Mörder, noch auf die jüd. Reformer, sondern — auf die „ unverschämten Missionare, die haben mit ihrem „abscheulichen Proselytengcist den Mörder zum Verbrechen getrieben." Das ist rabbinische Toleranz! das ist Wahrheit, Recht und Liebe nach der Allg. Zeit, des Jud.! So wird in Amsterdam, in Hamburg, in Magdeburg gelehrt, geschrieben, gepredigt. Was würden wohl alle Missionare und alle Freunde der Mission vom Könige bis zum Bettler von solchen „mitleidigen und sanftmüthigen Herzen" für Liebe und Toleranz zu erfahren haben, wenn Israel die bürgerliche Gewalt in Händen hätte? Die Lehre der Reformjuden ist, daß sie das Missionsvolk sind, um die ganze Welt zu ihrem Glauben zu bringen; die rabbinische Lehre sagt, dies muß geschehen, wer sich nicht fügt, wird ermordet. Kommen aber Missionare zu ihnen, so ist das ein „unverschämtes, abscheuliches Verfahren, das als „die erste Ursache des Verbrechens des Mordes" angesehen werden muß. Die Berichterstatter entschuldigen dies „16jährige Kind" auf alle Weise, „es war geistesabwesend, vollführte die Handlung ohne Bewußtsein, war noch nicht in dem Normalzustände seiner geistigen Fähigkeiten" und was sie nicht Alles beibringen; sind denn aber die Berichterstatter selbst auch noch solche Kinder in Geistesabwesenheit und ohne Bewußtsein ihrer Handlungen, sind sie auch noch nicht in dem Normalzustände ihrer vollen geistigen Fähigkeit, die solche Entschuldigungen auf der einen und Beschuldigungen auf der andern Seite schreiben? — Doch wir wollen in unserm Rückblick noch eine andere Begebenheit erwähnen, und zwar eine, die bei den Juden lange der Gegenstand des Sehnens und HoffenS, des KämpfenS und Ringens war, wir meinen die Emancipation der Juden in England. Da ist nun endlich nach vieljährig wiederholter Einbringung und Verwerfung der Eidesbill dieselbe doch glücklich durchgebracht,. und, wir die