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Dibre Emeth · 1859-01-01 · 1 (1859) · page 13

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Journal
Dibre Emeth
Volume
15 (1859)
Issue
1 (1859)
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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13 Erkundigungen stimmen darin überein, die Meinung zu bestätigen, daß derselbe unter der Herrschaft einer Art Geistesabwesenheit, bekannt unter dem Namen religiöse Monomanie, gestanden, und daß die Handlung ohne Bewußtsein derselben vollführt worden. Diese Geistesschwäche allein, sagt man allgemein, konnte dieses Vorhaben erzeugen und einem Kinde von 16 Jahren, das noch nicht in dem Normalzustände seiner geistigen Fähigkeiten ist, und nicht wagt allein zu schlafen, den unglücklichen Muth einflößen, dieses auszuführen. Die fortschreitende Reform, die in den Cultus eingeführt worden, hatte einen traurigen Einfluß auf seinen Geist geübt; aus einem Liberalen ist er ein streng Orthodoxer geworden. Die Vertheilung von Tractätchen in der Synagoge, in der Absicht, die Religion seiner Väter zu vernichten, hat seine fromme Entrüstung aufs Höchste getrieben, und seine krankhafte Einbildungskraft hat ihn nach der Märtyrerpalme Verlangen tragen lassen." — Hier wird also, um nur ja die That „besonnen und wahrhaft human zu beurtheilen," der „junge Mann" „ein Kind" genannt; und dieses „Kind' von 16 Jahren trägt in seiner frommen Entrüstung ein Verlangen nach der Märtyrerpalme," fällt daher mit einem Dolche den Prediger S. an und sucht ihn durch wiederholte Stiche zu ermorden. Das sind sonderbare „fromme Entrüstungen," und das müssen auch eben so sonderbare „Märtyrer" sein, die mit Dolchen ausgehen! Die Mittheilung aus Amsterdam in der Judenzeitung schließt mit den Worten: „Das „„Handelsblad"" mißt die unsinnige Handlung des jungen Mannes dem Wunsche bei, sich rächen zu wollen wegen der Vertheilung der Tractätchen von Seiten der Mission, die ungefähr vor 14 Tagen in einer der Synagogen der Hauptstadt stattgcfunden, und die eine große Entrüstung unter der israelitischen Bevölkerung hervorgerufen hat. Wenn dies also ist, so hat das „„Handelsblad"" Unrecht, diese Unthat des jungen Israeliten nur allein seinem Fanatismus beizumessen; ein Theil des Verbrechens fällt auf die unverschämten und unglücklichen Eiferer zurück, die von einem abscheulichen und verblendeten Proselytengeist getrieben, diejenigen selbst bis in ihren Tempel zu verfolgen, deren Glauben sie doch nach ihren eigenen Grundsätzen respectiren müßten. Der Mörder ist schuldig, aber diejenigen, die ihn zu dem Verbrechen getrieben, sind sie es etwa nicht? Wäre es nicht Pflicht der Regierung, zu den schamlosen Propagandisten, als erster Ursache des Verbrechens, zurückzugehen und sie zu verfolgen, unter dem Motiv eines Eingriffs in die freie Uebung des israelitischen Cultus, der durch die Constitution und die Landes-Gesetze garantirt ist?!" Ist das nicht ein glänzender Beweis von der „wahrhaft humanen und besonnenen" Weise, in welcher man im 19. Jahrhundert gegen christliche Institute auftritt? ist daö die in allen Blättern der Judenzeitung gepriesene jüdische Toleranz? Zwei

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