Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 11-12 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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188 hat, ist ihnen der gräßlichste Mißton. Sie meinen, Jesus habe den heiligen Namen Christus (der Gesalbte) durch sein Kreuz geschändet und Gottes Verheißung und Israels Hoffnung prosanirt, und daß sie ihn gekreuzigt haben, ihre größeste Missethat, halten sie sür ihre Gerechtigkeit vor Gott. So währet die Sünde der Väter fort bei ihren Kindern und damit währt auch das Gedicht fort, das nach dem Wort des Herrn über sie gekommen ist und von dem schon Moses und alle Propheten geredet haben. Wo ist Jerusalem, diese herrliche Gottesstadt? Sie ist in Blut und Flammen untergegangen, sie ist von der Erde verschwunden, wie nie eine Stadt der Welt, Sodom und Gomorra nicht ausgenommen. Selbst von Babylon steht noch eine Ruine, Ninive steigt wieder aus der Erde hervor wie aus einem Grabe, aber in Jerusalem ist über der Erde und unter der Erde, wie es der Herr vorher gesagt hat, kein Stein auf dem andern geblieben. Ganz Jerusalem ist Staub und Asche geworden, mit der Erde vermengt, vom Winde verweht. Die Stadt die jetzt so heißt, ist nicht Jerusalem. Sie bezeichnet nur die Stätte, wo Gott ein solches Gericht gehalten hat und von der man, wie von keiner andern Stätte der Erde, Beides sagen kann : sehet die Liebe Gottes und sehet den Ernst Gottes. Was ist Canaan, das gelobte Land? Einst ein reicher Garten Gottes, ist zur Wüste und zur Einöde geworden und zu einer Räuberhöhle, und nach jedem Versuch, den Bann zu lösen, der auf ihm liegt, sind immer wieder neue Stürme der Verheerung über dieses Land des Segens und des Fluches gekommen. Wo ist das Volk, dessen Heimath einst da war, wo der Tempel des lebendigen Gottes stand? es ist zerstreut in alle Welt wie Spreu, die der Wind verstreuet. Seine verblendeten und verstockten Kinder hat die Angst in alle Länder der Erde gejagt, sie sind der Gegenstand der äußersten Verachtung, des glühendsten Hasses, der grausamsten Verfolgung geworden. Ihre Geschichte ist eine Leidensgeschichte geworden, die man nicht ohne Entsetzen und ohne Thränen^lesen kann. Das: „hinweg mit ihm!" hat man ihnen zugerufen. Das „kreuziget ihn" hat sie getroffen. Es ist geschehen waö sie gesagt haben: sein Blut ist über sie und ihre Kinde rgekommen, nicht zur