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Dibre Emeth · 1858-01-01 · 11-12 (1858) · page 26

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Journal
Dibre Emeth
Volume
14 (1858)
Issue
11-12 (1858)
Date
1858-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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186 fein Richteramt dem Volk übergeben, nun muß er thun, was es will. Aus einem Herrn ist er ein Knecht geworden, aus einem Richter ist er ein Henker geworden. „Pilatus urtheilte, daß ihre Bitte geschähe," sagt die heilige Geschichte, und ließ den los. der um Aufruhrs und Mordes willen war in's Gefängniß geworfen, um welchen ste baten; aber Jesum übergab er ihrem Willen. „Das Urtheil über ihn zu vollstrecken, wird er nun den Gerichtsdienern und den Soldaten übergeben. Dieses Urtheil lautet schrecklich. Nach dem grausamen Rechte der römischen Heiden, die ohne die Barmherzigkeit Gottes in der Welt waren und darum selbst keine Barmherzigkeit kannten, ging de^k Kreuzigung die Geißelung voran. So kam der Herr nun in die rohen Hände der Menschen, die. kein menschliches Gefühl mehr hatten, denen das Martern und Peinigen eines Menschen ein Genuß war. Der heilige unschuldige Leib des Herrn wurde zerfleischt. Das reine Blut des Heiligen wurde vergossen wie das unreine Blut eines Verbrechers. Der Schönste unter den Menschen wurde verwandelt in eine blutige Martergestalt. Pilatus sähe ihn so wieder und der Anblick ergreift selbst sein hartes Herz. Es geht ihm ein Gefühl durch die Seele, das ihm lange ist fremd gewesen. Aber nun kommt ihm auch eine neue Hoffnung, den Gefangenen wenigstens vom Tode zu erretten. Er will an das Mitleiden appelliren. Er hofft, ein solcher Anblick werde das Volk umstimmen. Er geht heraus mit dem Gefangenen. Er stellt ihn vor das Volk, so daß all die Tausende ihn sehen können, die Dornen auf seinem Haupt, das Blut in seinem Angesicht, den verwundeten und zerrissenen Leib nothdürftig mit einem Purpurmantcl umhüllt. Aber statt die Wuth des Volkes zu löschen, ist dieser Anblick Oel ins Feuer. Sehet welch ein Mensch! ruft Pilatus. Hinweg mit ihm! antwortet das Volk. Was hat er den Nebels gethan? fragt Pilatus. Kreuzige ihn! schreit das Volk. Ich will keinen Theil haben an dem Blute dieses Unschuldigen! spricht tief erschüttert Pilatus. Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! so ruft die rasende Menge. — Welch eine Geschichte! Was ist schon alles in der Welt geschehen; aber diese Geschichte hat ihres Gleichen nicht. Der

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