Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 11-12 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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133 seuer über mich angezündet haben, eine Mittheilung, die hoffentlich dem Absatz der Predigtsammlung keinen Nachtheil bringen wird. . . . Freilich, das steht noch immer bei Pilatus fest, Jesus soll nicht sterben; aber er weiß es auch, daß mit den Mitgliedern des hohen Rathes kein Auskommen ist. Die halten ihn fest, die geben nicht nach. Mit ihnen ist er zu Ende- Er muß auf etwas Neues stnnen, seinen Gefangnen von einem ungerechten und schimpflichen Tode zu befreien. Da fällt ihm ein glänzender Gedanke ein. Er sieht das Volk, das Straßen und Dächer füllend, Mann an Mann, das Gerichtshaus umgiebt. Er weiß, wie viel es von Jesus gehalten. Es wird ihm klar und gewiß dieses Volk läßt seinen Propheten nicht fallen. Es wird sich wider den Rath erklären, dessen Neid ihm ja auch nicht unbekannt ist. Der Wille des Volkes soll entscheiden. So kann sich für ihn diese unangenehme Geschichte zum Besten kehren. Er ist heute des Herodes Freund geworden, nun kann er auch ein Volksfreund werden. Man muß es nur in den Stand setzen, seinen Willen kund zu thun. Da fällt ihm der Gebrauch ein, auf's Osterfest dem Volke einen Gefangenen los zu geben, den es sich erwählet hat. Er hat aber gerade einen Gefangenen, der einen Mord begangen und der in ganz Jerusalem bekannt und berüchtigt ist. Den stellt er neben Jesus vor das Volk hin. Das Volk soll entscheiden, es soll zwischen Beiden wählen. Er ist seiner Sache gewiß. Vielleicht hat er gar die Freude, zu sehen, wie das Volk den befreiten Jesus im Triumph von dannen führt, und so dem Neid der ihm verhaßten Priester der rechte Lohn wird. Aber heute irrt er sich immer. Er fällt aus einer Grube in die andere. Den Weg, der da heißt, der richtige, hat er nie erkannt und heute, wo er ihm so nahe gekommen, daß er ihn hätte finden können, schwindet er ganz und für immer aus seinen Augen. Freilich anfangs erschrickt das Volk selbst über das Entweder Oder: Jesus oder Barabbas! Welch eine Wahl! Wie kann überhaupt eine stattfinden zwischen ihm und irgend Jemand auf Erden? Ja, wenn es sogar hieß: Jesus oder dein Vater oder deine Mutter oder dein Weib oder dein Kind! Wir müsse» sagen: Laß fahren dahin, meinen Jesum lasse ich nicht! Gerade zu diesem Volk