Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1858-01-01 · 11-12 (1858) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
14 (1858)
Issue
11-12 (1858)
Date
1858-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554686-2554693--02982-2558869
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

164 eine christliche Färbung gebe, mit andern Worten, daß man die armen Uebergetretenen täusche und hintergehe, würde nicht in seinen Kopf gekommen sein. Aber so geht's, wenn man überall nur Täuschung und Betrug wittert, so wird das Auge trübe, daß man die Wahrheit, auch wenn sie noch so klar auf der Hand liegt, doch nicht erkennen kann, und sich darum auch, wenn man über sie urtheilt, die größten und lächerlichsten Blößen giebt. Es widerfährt einem das Sprüchwort, daß man den Wald vor lauter Bäumen nicht sicht. Hierauf fährt nun Herr Frankl in seiner Erzählung fort: „Diese Kirche füllt sich, wenn sich alle in Jerusalem wohnenden bekehrten Juden in ihr versammeln, mit einer stattlich zahlreichen Gemeinde! Welche jüdische Gemeinde der Erde und wenn sie sich selbst zu den großen zählt, hat wie die in Jerusalem das Schauspiel aufzuweisen, daß sich hundertundeinunddreißig getaufte Juden in einer Kirche versammeln." „Die Aschkenasim (deutschen Juden) halten die Sepharedim (spanischen Juden) für minder strenggläubig, und so ist die Thatsache um so auffallender, daß die russischen Juden*) allein über die Hälfte, 71 Seelen, in den Missionshandel geliefert haben, während sich die übrigen 60 fast auf alle Länder vertheilen." Wenn Herr Frankl spöttisch von „Misstonshandel" redet, so spricht er damit seine Ansichten und Gesinnungen in Betreff der Mission schon deutlich genug aus. Damit uns jedoch kein Zweifel über den eigentlichen Sinn des Wortes gelaffen werde, erklärt er sich im Folgenden noch bestimmter darüber. Nachdem er noch mitgetheslt hat, daß bei den Juden dagegen nur wenig Uebertritte zu dem Mohamedanismus vorkämen — er erwähnt etwa nur vier Fälle in den acht letzten Jahren — fährt er Seite 71 also fort: „Wie frappant auch die Erscheinung wirkt, so viele, meist zum Protestantismus überläuferische Juden in der ihnen heiligsten Stadt der Erde zu finden, was die Erfolge der Missionsbemühungen als bedeutend herauszustellen scheint; so mindern sie sich doch gar sehr, *) Man zählt die russischen Inden deshalb zu den Aschkenasim, Deutschen, weil sie den jüdisch-deutschen Jargon spreche».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.