Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 11-12 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 tischt uns nämlich in seinem Werke die alte Fabel von Bestechung ebenfalls als eine ausgemachte Wahrheit auf, die gar keines Beweises, ja was sage ich, nicht einmal einer Untersuchung bedürfe. Im zweiten Theile seines Werkes hat er der Misfion einen besonderen Artikel gewidmet, und da sollte man doch wohl mit Recht annehmen dürfen, daß er sich auch in jeder Beziehung über die Art und Weise, so wie über die Mittel ihrer Wirksamkeit gründlich unterrichtet haben werde, um als wahrheitsliebender Mann, wie er sich darstellt, auch ein wahres und gerechtes Urtheil zu fällen. Aber wollten wir das annehmen, so würden wir uns sehr täuschen. Schon bei der Erzählung seines Besuchs der protestantischen Kirche, Seite 70, macht er einen gewaltigen Schnitzer, ob wissentlich oder unwissentlich können wir freilich nicht sagen. Wäre das erftere der Fall, dann wäre eS schlecht, ja boshaft, was wir ihm jedoch nicht zutrauen. Wir werden daher das zweite annehmen müssen; damit aber beweist er seine Oberflächlichkeit, oder gar seine Unkenntniß des Judenthums und Christenthums. Nachdem nämlich Herr Frankl das Aeußere und Innere der Kirche in wenig Zügen gezeichnet hat, erzählt ergänz naiv von einem Gebetbuche in hebräischer Sprache, das „zufällig" in der Kirche liegen geblieben sei: „ES enthält die üblichen, althergebrachten jüdischen Gebete mit kleinen Weglassungen, wohl auch Einschaltungen, die sich auf den christlichen Glauben beziehen." Hieran knüpft er nun das Urtheil: „So wird die Anschauung und Phantasie des neuen Christen nicht nur geschont, sondern ihnen vielmehr gehuldigt, und der Neugetaufte so zum andern Glauben allmälig herüber gewöhnt." Hätte sich Herr Frankl das Gebetbuch etwas genauer besehen, oder sich wenigstens näher darnach erkundigt, so würde er gar bald gefunden haben, daß es keinesweges „die üblichen, althergebrachten jüdischen Gebete, mit kleinen Weglassungen, wohl auch Einschaltungen," also immer doch verstümmelt, enthalte, sondern, daß es die Liturgie der englisch bischöflichen Kirche in hebräischer Sprache sei, und sein Urtheil hätte nothwendig ein anderes sein müssen. Der Gedanke, daß man sich der „Anschauung und Phantasie des neuen Christen" accommodtre und seinen früheren jüdischen Gebeten nur 11*