Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 9-10 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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158 die andern drei scheuten sich jedoch, auf religiöse Gegenstände einzugehen, scheinbar nicht aus Jndifferentismus, sondern vielmehr aus Furcht vor einander; aber da der Lehrer sehr geneigt dazu schien, so eröffnete ich die Unterhaltung damit, daß ich fragte, ob er seine Schüler blos in den rabbinischen Schriften oder auch in den fünf Büchern Moses und den Propheten unterrichte? Hierauf erwiderte er, daß er seine Schüler sowohl in der Bibel, als auch im Talmud unterrichte, da ihre Hoffnungen des Heils auf beide, die Bibel und den Talmud gegründet wären; denn , er glaube, daß sowohl das Gesetz als der Talmud Moses auf dem Berge Sinai gegeben worden sei, daß jenes sogleich im Pentateuche niedergeschrieben, dieser aber durch mündliche Ueberlieferung fortgepflanzt wurde. Dann hatte ich ein langes Gespräch mit ihm über die Unhaltbarkeit des Talmuds und die Jrrthümer des Judenthums mit allen seinen Widersprüchen, welche der jüdische Lehrer am Ende genöthigt ist zu bekennen. Als wir auf diesen Punkt kamen, nahmen auch die andern drei Juden, welche bisher stille Zuhörer gewesen waren, an unserm Gespräche Theil, wodurch es eine andere Wendung bekam. Einer von ihnen bemerkte: „Sie sagen, daß Sie nicht an Ueberlieferungen glauben, sondern die Schrift allein zu Ihrem Führer nehmen, so zeigen Sie mir nun aus der Schrift, daß Jesus, welchen Sie für den Messias halten, der Sohn Gottes war." Ferner zogen sie die Lehre von der Dreieinigkeit u. s. w. in Zweifel. Hier würden wir sehr ernst; denn aus der Art und Weise ihrer Unterhaltung konnte ich leicht entnehmen, daß sie ihre Einwendungen nicht aus Streitsucht machten, sondern von dem Wunsche, die Wahrheit zu erfahren, dazu getrieben wurdeir, und daher nahm unsere Unterhaltung einen höchst interessanten Charakter an und dauerte ohne Unterbrechung vier Stunden. Ich zeigte ihnen aus vielen Stellen Moses und der Propheten, daß Jesus von Nazareth der verheißene Messias, der alleinige Mittler zwischen Gott und Menschen und die einzige Quelle unserer gegenwärtigen und zukünftigen Seligkeit ist. Der Lehrer und einer seiner Freunde bezeichncten jede Stelle, welche auf die Gottheit Christi Bezug hat, in ihrer Hebräischen Bibel mit einem Striche darunter, und nachdem unsere Unterhaltung beendet war, nahmen sie einige