Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1858-01-01 · 9-10 (1858) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
14 (1858)
Issue
9-10 (1858)
Date
1858-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554686-2554692--02964-2558850
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

147 unterirdische Höhlen vor dem Auferstehungstage dahin zu rollen, entgehen möchte, war ganz böse auf mich, weil ich die Richtigkeit des Scharfsinns bezweifelte, der ihn treibt, diese Pilgrimsreise zu machen. Ich bemühte mich, seinen leidenschaftlichen Zorn, den ich ohne meinen Willen in ihm erregt hatte, dadurch zu besänftigen, daß ich ihm einen kurzen Bericht der vernünftigeren Ansichten der Protestanten gab, welche sie über diesen richtigen und erhabenen Glaubensartikel haben. „Dann" erwiederte er, „glauben sie nicht an Ezechiel 37?" „Ja" sagte ich ihm, „ich glaube und hoffe auch, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo eure Traurigkeit, wie sie im elften Verse beschrieben wird, der Freude, und euer todtenähnlicher Schlaf des Unglaubens dem Leben schaffenden Geiste des Glaubens Platz machen wird." „Ihre Erwartung," bemerkte ein anderer Jude, welcher in der Stube saß, „wird nicht erfüllt werden, denn unser Volk ist zu intelligent, als daß es einer Religion ein günstiges, Ohr leihen sollte, welche lehrt, daß ein gekreuzigter Mensch ein mächtigter Gott war." „Sie sagen nicht," unterbrach der alte Chacham, „daß Jesus ein bloßer Mensch war; im Gegentheil glauben sie, daß die Gottheit in ihm wohnte, und daß diese Vereinigung ihn befähigte, die Erlösung der Welt zu Stande zu bringen." „Dies ist ganz richtig," fügte ich hinzu, „denn der Erlöser, welcher um unserer Miffethat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen ist, könnte nicht gelitten haben, wenn er nur Gott gewesen wäre, und könnte kein Sühnopfer für unsere Sünden gebracht haben, wenn er nur Mensch gewesen wäre. Diese große Wahrheit zieht sich durch jede Offenbarung von Moses bis auf Maleachi; und wie überraschend es ihnen auch scheinen mag, daß der Unendliche den Endlichen versöhnen, und der Schöpfer das Geschöpf erlösen sollte, die Weissagung ist zur erhabenen Thatsache geworden; ja einer Thatsache, von welcher Seligkeit oder Unseligkeit abhängt." Sie hatten nichts gegen die Messianität unsers Heilandes geltend zu machen, als das, daß sie, gleich ihren verblendeten Vorfahren, einen Erlöser haben wollten, welcher als Held das Unrecht, das ihr Volk gelitten, 10*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.