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Dibre Emeth · 1858-01-01 · 9-10 (1858) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
14 (1858)
Issue
9-10 (1858)
Date
1858-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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148 rächen — als Befreier die Bande ihrer Gefangenschaft lösen — als Herrscher die Huldigung der Welt erlangen würde. Vor einiger Zeit wurde ich von drei jungen Männern aus Balat besucht, welche einige von unfern Schriften gelesen hatten, und zwar mit Nutzen. Ihre vorzüglichsten Einwürfe waren nicht gegen Hauptwahrheiten des Evangeliums gerichtet, welche sie sogar zugaben, sondern sie betrafen den langsamen Fortschritt, welchen das Christenthum unter den Juden mache. „Wenn Jesus der Messias ist," sagten sie, „warum zwingt er uns nicht, gleich Elias auf dem Karmel, durch sichtbare Zeichen seiner Macht und Gewalt, ihn als unfern Erlöser anzuerkennen?" „Angenommen," erwiderte ich, „daß sich Gott des Zwanges bedient hätte — angenommen, er hätte gesagt, ihr sollt meine Barmherzigkeit bekommen und zu eurer Seligkeit auf die Liebe meines Sohnes euch verlassen, würde mich ein solcher Act nicht aller Freiheit berauben und den Urheber meines gegenwärtigen Daseins für mein künftiges Wohlergehen verantwortliö^machen? Haben wir nicht überdies alle die Mittel und Anstalten, welche zu unserm Heile nöthig sind? Haben wir nicht die Bibel, um uns von dem zu überzeugen, was wahr und was falsch ist? Und haben wir nicht genug Aufforderungen uns zu Gott zu bekehren, und Drohungen, welche uns veranlassen sollten, dem zukünftigen Zorne zu entrinnen?" „Es ist sehr schwer für einen Juden," erwiderten sie mit bitterem Nachdrucke, „an Christum zu glauben." Sie blieben eine geraume Zeit bei mir, und ich konnte ihrem Gespräche abnehmen, daß sie für die Wahrheit des Evangeliums günstig gestimmt waren, und regelmäßig Unterricht in der Religion nehmen würden, wenn sie nicht die Folgen fürchteten, welcher ein solcher Schritt haben würde. Wie es mit diesen drei jungen Männern steht, so steht es auch noch mit sehr viel Andern; sie lesen das Neue Testament und geben selbst die Rechtmäßigkeit seiner'Ansprüche zu; aber die Bande der Freundschaft, die Freuden einer geliebten Heimath und die Anziehung weltlicher Interessen, alle diese Dinge üben einen solchen widrigen und verderblichen Einfluß auf ihre Herzen und Gemächer, daß viele lieber ihre ewige Seligkeit aufs Spiel setzen, als sich zeitlichen Unbequemlichkeiten unterwerfen.

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