Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 9-10 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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146 auf die Schriften der Chachamim (Weisen) und ihre schriftwidrigen Lehrsätze. Meine Gegner gaben mit dem gewöhnlichen Tact der Talmudisten zu, daß das Judenthum nicht frei von Mysterien sei; aber sie behaupteten, daß diese Mysterien vom Himmel stammende Wahrheiten und die besondere Gabe der Gelehrten seien. Hierauf erwiderte ich: „Nach ihrer Behauptung hat es Gott gefallen, die Juden mit zwei Offenbarungen zu begünstigen, mit der einen, die für den rohen Verstand der Unwissenden und mit der andern, die für die scharfe Einsicht des Gelehrten paßt; oder vielmehr, sie haben eine Religion, die in abergläubischer Kinderei besteht und für die Amharazim (das unwissende Volk) bestimmt ist, und eine andere, welche in transcendentalen Spekulationen besteht und das Eigenthum der Chachamim ist. Sie müssen diese Entdeckung erst gemacht haben seitdem sie in diese Stube getreten sind, denn sie wissen vollkommen, daß das Wort Gottes keine solche Grille zuläßt; im Gegentheil verkündiget es auf jeder Seite, daß es seine himmlische Mission ist, den Verstand, welchen die Sünde verfinstert hat, zu erleuchten, und das Herz, welches die Sünde verkehrt hat, zu bekehren. Indem die Bibel dies thut, sagt sie uns nichts davon, daß wir zugleich wissen müßten, wie man kabalistische Zaubermittel spinnt, oder philosophische Argumente bemeistert. Nein, alles, was wir bedürfen, ist eine innere Ueberzeugung der Schuld und ein heißes Verlangen nach Vergebung; und wenn das ist, dann wird sich der Erlösungsplan dem Gewissen des Menschen, welcher niemals den Talmud studirt hat, eben so kund thun, wie der Seele und dem Gewissen desjenigen, welcher sein ganzes Leben über denselben gebrütet hat." „Das ist's, was Paulus lehrt," erwiderten sie satyrisch, „und sie wissen, daß kein Jude an Paulus glaubt." „Ich freue mich, daß sie gelesen haben, was Paulus sagt; und ich kann sie versichern, daß, wenn sie sich von den rabbinischen Vorurtheilen frei machen und ernstlich nach der Wahrheit forschen, sie auch erkennen werden, daß die Sprache Pauli die Sprache jedes erwachten Sünders ist." Ein alter spanischer Chacham, welcher im Begriff ist nach Jerusalem zu gehen, damit er, wie er mir sagte, der Qual, durch