Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 9-10 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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145 und das Schwinden der Vorurtheile bei Anderen. Die Meinung/ daß das Christenthum ein Wahn und sein Glaube mit der Vernunft unvereinbar sei, ist als ein Phantasiegebilde beseitigt. Beinahe alle Juden, welche Umgang mit uns gehabt haben, sind davon überzeugt, daß kein Grund gegen das Evangelium vorgebracht werden kann, welchen das Alte Testament nicht beantworte, und daß keine schwierige Frage erhoben werden kann, wozu Gott in demselben Buche die Lösung nicht selbst darbiete. Wie ein bigotter und selbstgerechter Rabbi die großen Lehren von der Menschwerdung, der Versöhnung und der Dreieinigkeit leugnen mag, „ebenso" sagte ein Chacham (Weiser), welcher Unterricht erhält, „kann ein Blinder die Schönheit der Sterne leugnen, weil er sie niemals am Himmel glänzen sah." Früher erhoben dieJuden das laute und geräuschvolle Geschrei gegen die Missionare, daß sie eine Religion aller Wahrheit baar und verbunden mit Allem, was falsch ist, verkündigten; sie bildeten sich ihr Urtheil über das Christenthum nach den götzendienerischen Gebräuchen der morgenländischen Kirchen und kamen, erschreckt von dem traurigen Anblicke, der sich ihnen darbot, unwissend zu dem Schluffe, daß die Botschaft des Lebens gerade das Element des Todes in sich enthielte. Die Unterscheidungslehren der Protestanten jedoch, welche ihnen während der letzten Jahre reichlich verkündigt worden sind, haben ihnen zum guten Theil die Augen geöffnet, und wie sehr sie sich auch sträuben mögen, den Wahrheiten, welche jedes Blatt der Bibel als erfüllt mit Leben und Unsterblichkeit verkündigt, gehorsam zu werden, so ist doch ihr langdauernder Unglaube widerlegt und ihre gefährlichen Jrrthümer sind berichtigt. Diese reineren Ansichten unserer religiösen Meinungen und der evangelischen Wahrheiten, welche, wie ich hoffe, bald eine Veränderung zum Bessern herbeiführen werden, werden nicht bloß bei dem gebildeten Rabbi und reichen Banquier gefunden, sondern alle, welche unsere Bücher gelesen oder mit Missionaren verkehrt haben, geben zu, daß unser Glaube auf Beweisen und ThatsacheN beruht, welche aus der Offenbarung und der menschlichen Natur hergeleitet werden. So sprach ich vor einiger Zeit mit drei Rabbinen, welche zu mir gekommen waren, um sich ärztlichen Rath zu holen. Das Gespräch lenkte sich Dibre Emeth 1856. 10