Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 9-10 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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138 andern Verwandten die Gewißheit erlangten, daß er Christ geworden sei., Ich ermahnte ihn, daß er seiner Familie doch seine Ansichten lieber mit einem Mal offen darlegen möchte, anstatt gleichsam von ihr wegzulaufen; aber er antwortete, daß er, da er die Liebe kenne, die ste zu ihm hätten, nicht den Muth besäße, der erste zu sein, der es ihnen sage, und stellte das in einer Weise dar, daß ich mich genöthigt sah, seiner Bitte nachzugeben. Am anderen Tage seines Aufenthalts bei uns kamen seine drei Schwestern und seine Frau ins Misfionshaus, während er ausgegangen war, und da sie ihn nicht fanden, benahmen ste sich auf eine höchst heftige Weise; die eine von seinen Schwestern kroch bis in den Keller hinunter, die andere erhob ein unzusammenhängendes Klagegeschrei, während die dritte uns beschuldigte, ihn getödtet zu haben. Bruder Eppstein und mir gelang es kaum sie in so weit zu beruhigen, daß ste uns zu Worte kommen ließen. Endlich erklärten wir ihnen, daß M — seiner Ueberzeugung und dem Drange seines Herzens folgend entschlossen sei, den Messias zu bekennen und anzubeten, kurz ein Christ zu werden. Als sie das hörten, wurde ihr Weinen und Klagen womöglich noch lauter als vorher, und während dieses Ausbruchs des Geschreis betrat M — den Hofraum. Sogleich flogen sie auf ihn zu und überschütteten ihn, in mehr als morgenländischer Heftigkeit, mit beschimpfenden Beiwörtern, und wäre die Scene nicht so rührend gewesen, so würden uns ihre drolligen Fragen und Gebehrden zum Lachen gebracht haben. Er blieb standhaft, erklärte ihnen seinen unabänderlichen Entschluß, Christ zu werden und versuchte, so weit sie ihm hören wollten , den Grund für seinen Glauben darzulegen. Zwei seiner Schwäger, welche auch zugegen waren, sagten, daß wir ihn veranlaßt hätten, also zu reden; eine seiner Schwestern aber erklärte, daß wir ihn bezaubert hätten, und alle behaupteten, daß er seine wahren Gefühle nicht aussprechen könne, so lange wir gegenwärtig wären und unfern Einfluß auf ihn ausübten. Daher hielten wir es fürs Beste, uns zurück zu ziehen , und mischten uns nicht mehr in die Sache, bis wir sahen, daß seine Schwäger ihn mit Gewalt fortschleppen wollten, wo wir ihn dann aus ihren Händen befreiten. Am nächsten Tage erschien eine große Gesellschaft