Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1858-01-01 · 7-8 (1858) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
14 (1858)
Issue
7-8 (1858)
Date
1858-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554686-2554691--02937-2558822
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

121 Ich: Glaubst Du nicht, daß wenn Dein Leib stirbt, ein Etwas in Dir ist, das nicht sterben kann, und das entweder ewig selig oder ewig unselig sein wird? Er: Solche Dinge glaube ich ganz und gar nicht; wenn ich sterbe, so kann man mich hinwerfen, oder thun mit mir, was man will. Ich: Dann hast du kein Recht, Dich einen Juden zu nennen. Er: Warum nicht? In Egypten gibt es Hunderte von Juden, welche dieselben Grundsätze hegen, und doch nie von den Rabbinen sind ercommunicirt worden, sondern alle Privilegien der Synagoge genießen*). Ich bemühte mich, ihm das Schreckliche seines Zustandes zu zeigen, aber er konnte mich kaum verstehen. Er sagte, seine Eltern, angesehene Leute, hätten ihn in diesen Grundsätzen erzogen, wiewohl sie noch immer alle Ceremonien der Synagoge beobachten. Aus dem Tagebuchs des Herrn Prediger Pauli in Amsterdam. Zeugniß eines jüdischen Advocaten über die Ausbreitung des Evangeliums unter den Juden in Holland. Hr. — ein Advocat und Mann von tiefer Gelehrsamkeit, besuchte mich vor einiger Zeit, als folgende Unterredung stattfand. Er: Ich komme in keiner andern Absicht zu Ihnen, als Sie zu bitten, mir Anweisung zu geben, wie ich mich in meinem Forschen nach religiöser Wahrheit zu verbalten habe; denn ich muß Ihnen sagen, daß ich fest glaube, Jesus ist der verheißene Messias; nur kann ich noch nicht an seine Gottheit glauben ^gber ich kann sie auch nicht leugnen, was freilich, ich gestehe es, ein Widerspruch in meinem Bekenntniß ist. So steht es aber nicht bloß mit mir, sondern mit sehr Vielen von unsrer Nation. Ihre Predigten nebst den Büchern, die Sie unter uns verbreitet haben, haben eine große Veränderung in unsrer Denkweise hervorgebracht^ Unsre Vorurtheile, die Festung unsers Aberglaubens, sind gefallen, so daß nun das Licht in die Finsterniß hineindringt, in die wir so viele Jahrhunderte begraben waren. *) Das dürfte wohl nicht bloß in Egypten, sondern auch an andern Orten, namentlich auch in Deutschland der Fall sein. (Anm. d. Red.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.