Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 14 (1858)
- Issue
- 4-6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554686-2554690--02907-2558791- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
92 daß er leichtsinnig genug ist zu — „lügen?" Sollen wir etwa vr. G. auch nur eine solche „wahre Achtung" zutrauen, soll er nur darum „achtbar" sein, weil er keine Ueberzeugung hat und haben kann? Und in der That, dieser Gedanke liegt nicht fern, sondern ergiebt sich aus seinen eigenen Worten. In seinem ersten Briefe hatte er zwar zugegeben, daß Jemand, auch sein „achtbarer Ehrenmann," eine Ueberzeugung haben könne; denn er sagt ja ausdrücklich: „Erklären Sie mir, ein gläubiger Christ zu sein, nun so hat mein Fragen ein Ende." Im zweiten dagegen sagt er nicht nur, daß der Ehrenmann keine Ueberzeugung habe,,sondern auch nie haben werde. Denn die Worte: Sie sind kein Christ und werden es nie und nimmer werden, können doch unmöglich eine andereBedeutung haben, als daß sie dem N. N. auf immer und ewige Zeiten alle Ueberzeugung absprechen. Ferner, G's.Judenthum ist noch keine vollendete Sache, es wird noch an demselben gearbeitet, es wird von demselben Vieles preisgegeben, über Anderes discutirt. Bei Ueberzeugung findet kein,-,Preisgeben," keine „Discussion" statt, durch welche erst die Wahrheit ermittelt werden muß. Die Propheten und Männer Gottes erkannten kein solches '„Preisgeben, keine Discussion an," kümmerten sich nicht um daß „Endurtheil der Geschichte," sondern in Ueberzeugung hieß es: Ich glaube, darum rede ich: So spricht der Herr; und so wenig dachten sie an ein Preisgeben, an die Geschmeidigkeit und Gefügigkeit sich der Discussion zu unterwerfen, so wenig wußten sie von der unter den Reformjuden so beliebten Accommodätionötheorie, daß sie sich lieber einsperren, in die Grube werfen und tödten ließen, als daß sie von ihrer Ueberzeugung Etwas aufgegeben hätten. Wenn Dr. G. gar sagt, nachdem schon „Vieles preisgegeben, über Anderes discutirt und über Einiges die Geschichte das Endurtheil gesprochen: „und wieder Anderes wird bei einer tieferen Erfassung als Geist und Gemüth erhebend, als lebenskräftig sich erweisen;" so ist doch gewiß damit keine Ueberzeugung ausgesprochen, sondern nur der fortwährenden Veränderung Thür und Thor geöffnet. In welche Tiefen werden da diese Schatzgräber, dieschonsoVieles„aufgefunden"haben,nichthinabsteigen, um immer noch Neues und Tieferes „aufzufindcn!" Der Eine „erfaßt" die Sache tief, der Andere noch „tiefer;" dann muß der Erste oder ein Dritter natürlich in eine noch schauerlichere Tiefe cindringen; denn in der tiefsten Tiefe liegen doch erst die rechten Schätze. Und wo und wann ist da „Ueberzeugung," ob man die rechte Tiefe erfaßt? Jndeß das Judenthum ist „der"Gedanke," der „Begriff;" und ein jeder „Gedanke" ist da zugleich auch Ueberzeugung, wenn auch heute so, morgen anders. Nur wenn ein bisheriger Jude, er fei welches Standes und Ranges er wolle, aus der niedrigsten oder höchsten Schichte, er habe in „wahrer Achtung" oder Verachtung gestanden, er sei ein „Ehrenmann" oder etwas Anderes, der größte Ignorant oder der gelehrteste Doctor, ein Christ wird und ein Bekennlniß von